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Buch 1 (1738)
Entstehung
Seite
103
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Von dem Namen und Ursprung der Thüringer» ioZ

sischer junger Mann aus denen Schiffen getreten, der so wohl mit einer gül-denen HalsKette, als dergleichenArm Bändern geschmückt gewesen; undwie demselben ein Thüringer ausgeflossen, und spötrlich geftaget, was ermit so vielem Golde um seinen hungrigen Halse mache? und jener daraufgesaget, daß er das Gold zu nichts anders trüge, als daß er darzu einenKauffer suche, weil ihm doch dasselbe seinen Hunger nicht stillen möchte;und wie der Thüringer darauf ferner gefraget, was und wie viel er begeh-re? sey ihm zur Antwort worden: Es gölte ihm gleich viel, er möchte ihmgeben, was er wolle; worauf der Thüringer zu lachen angefangen und ge-saget: Wie, wann ich dir davor deinen Schooß voll Erde schüttete? dessenein aufgeworffener Hausse ungcfehr verhanden gewesen- Von Stund anhätte der Sachse die Erde in seinen Schooß gefasset, und nachdem er demThüringer das Gold gegeben, wäre er mit Freuden wieder zu den Seini-gen gekehret. Nachdem die andern Thüringer solches erfahren, hätten sieihren Landsmann hochlich gepriesen, daß er den Sachsen so artig berücket,und ihn vor den allerglückseligften Menschen geschätzet, als der mit einersolchen geringschätzigen Wahre eine solche Menge Goldes erhandelt hätte,so, daß sie darüber gewaltig zu ftolocken angefangen. Inzwischen wäreder Sachse zwar ohne Gold, doch mit einer ziemlichen Last Erde zu denSchiffen zurück gekehret, und wie seine Reife-Gefehrten ihm entgegen kom-men,und sich verwundert, was er vor hätte, wäre er von einigen verlachet,von etlichen semer Freunde gestraffet, von allen aber vor alber gehaltenworden, worauf er ihnen zu schweigen geboten und gesaget: Folget mirnur meine liebe Sachsen, ihr werdet erkennen, daß diese meine Thorheieeuch sehr vorträglich sey. Wie sie ihm nun, jedoch nicht ohne Zweiffelmuthgefolqet, hätte er die von dem Thüringer empfangen? Erde gantz ludrü überdie nächst gelegene Aecker gestreuet, und einen bequemenOrrzum Lager ein-genommen. Nachdem aber die Thüringer der Sachsen Lager an süchtigworden, sey ihnen solches gantz befrembdet und unleidlich vorkommen, hät-ten sich auch durch ihre Abgesandte beschweret, daß sie, die Sachsen, Bund-brüchig würden. Als nun diese geantwortet, sie hätten bishero den Bundunverbrüchlich gehalten, wollen aber nur die mit eigenem Gelde erkauffteErde friedlich besitzen, oder in Entstehung dessen, mit ihren Waffen ver-teidigen; Da hätten die Thüringer das Sachsische Gold verfluchet, undden sie zu erst vor glückselig gepriesen, nun vor den Urheber ihres Landes-

Ver-