Druckschrift 
Das Schicksal der im Jahre 1794 über den Rhein geflüchteten Werthgegenstände des Cölner Domes, insbesondere die Zurückführung der Manuscripten-Bibliothek : aktenmäßige Denkschrift
Entstehung
Seite
85
Einzelbild herunterladen
 

Dieser Wala war allerdings auch ohne nähere Bezeichnung ge-kannt. Ein Enkel Karl Martells, war er einer der bedeutendstenHeerführer des ihm verwandten Kaisers Karl, trat aber sogleichnach dessen Tode, in momentanem Unfrieden mit seinem Nach-folger, zu Alt-Corvey (hei Amiens) in den geistlichen Stand. Erwar es dann, welcher, von seiner sächsischen Mutter unterstützt,die Gründung von Neu-Corvey *) im Sachsenlande (Westfalen)hauptsächlich betrieb. Paschasius Iladbertus, mit ihm Mönchzu Alt-Corvey und sein nachherigor Biograph, begleitete ihn imJahre 822 zur Ausführung der von Kaiser Ludwig beschlossenenGründung an Ort und Stelle. Im nämlichen Jahre noch gingWala mit Lothar nach Rom, von wo er das folgende Jahr nachAlt-Corvey zurückkehrte. Dort wurde er 82G Abt und starb 836,nachdem er in seiner Parteinahme für Lothar in der damaligenVerwirrung wiederholt schwer genug gelitten. Das vom Pabsteerhaltene Antiphonar, wovon man am Hofe des Kaisers, wieAmalars Nachfrage beweist, nichts wusste, hatte er offenbar insein Kloster Alt-Corvey gebracht. Amalar selbst hatte, wie erau jener Stelle ausdrücklich sagt, eine ..copia Antiphonariorum“ zuAltcorvey gefunden, ohne ihren Ursprung zu kennen, und wünschteer gerade deshalb über den ihm vielfach neuen Inhalt an derrömischen Quelle sich zu orientiren. Auch spätere Liturgiker(unter ihnen Ilittorp und Pamcl) haben diesen .'.Codex Corbeien-#is“ wiedcrgefuuden und als eine der ältesten Quellen für dieseMaterie benutzt. Während hiernach an einen Uebergang diesesStückes in die kölnische Sammlung nicht entfernt zu denken ist,und was sich Aelmliches fände, auf das in obiger Sendung Paul’sl.'an Pippin erwähnte .. antiphonale “ zurückzuführen sein möchte,stossen wir in Harzheim’s Katalog auf die bedenkliche Walir-

*) Dieser nachmals berühmter fast als das Mutterstift gewordenen christ-lichen Culturstätte des deutschen Nordens verdankt die gelehrte Welt auchden Besitz der fünf ersten Bücher der Annalen des Tacitus. Die von denMönchen angefertigte und allein erhaltene Handschrift, ohne welche der Ge-schichte diese hochwichtige Quelle — namentlich auch die Kunde von Arminund seiner Varusschlacht — verloren wäre, kam nach der Wiederauffindungvon Corvey nach ltom an P. Leo x.