Druckschrift 
Johannes Janssen und die Geschichte der deutschen Reformation : eine kritische Studie
Entstehung
Seite
191
Einzelbild herunterladen
 

— 191 —

romanischen mit dem germanischen Leben, Ans dem Wege der Ver-kleinerung Habsbnrgs schritt die luxemburgische Dynastie, welche inBöhmen festen Fuß gefaßt hatte, nun fort. Wir wissen, welchenKampf Ludwig der Bayer mit Luxemburg, Frankreich und dem Papst-tum anzufechten hatte, als er von der französischen Politik der Luxem-burger abwich und den Versuch wagte, eine deutsche Politik ins Lebenzu rufen. lind Janssen übergeht es natürlich, daß gerade dieseWendung dem Wittelsbacher die Sympathieen des deutschen Bürger-tums gewann. Freilich für die Wiederherstellung eines universalenKaisertums war die Zeit vorbei. Das zeigte das Scheiter» Hein-richs VII. in Italien, dem trotz seiner Freundschaft mit Frankreichund der .Kurie zuletzt doch wieder das Papsttum in den Weg trat.Aber die Zeit zur Wiederbelebung eines deutschen Königtums war nochnicht vorbei, daß es dazu nicht kam, haben wir weit weniger der Ab-neigung der Fürsten, wie Janssen darthnn zu können glaubt, als demWiderstand Frankreichs und der Kurie zu danken. Das Papsttumverhalf dem Böhmen Karl zum Königtum in Deutschland trotz desProtestes der Städte, trotz der Gegenanstrengnngeu der Wittelsbacher.Das Scheitern der wittelsbachischen Politik war in jener Zeit gleich-bedeutend mit dem Scheitern der deutsch - nationalen Politik, denn diebayerisch-wittelsbachische Entwicklung erschien als der geborene Ver-mittler jener ostdeutschen und westdeutschen Entwicklung, welche sichin starrem Gegensatz das Gleichgewicht hielten. Ein Scheitern diesernationalen Vermittlungsversuche mußte, wie es geschah, die Zersetzungans allen Gebieten deutschen Lebens bringen. Der päpstliche KönigKarl IV. inaugurierte nun seine Politik damit, daß er gegen dieblühende Macht des deutschen Bürgertums vorging, daß er den Fürstenin der goldene» Bulle seine Konzessionen machte, ein Neichsgrundgesctz,welches seineu eigentümlichsten Eharaktcr durch die feindliche Tendenzgegen das Leben des deutschen Bürgertums, damit also gegen daseigentlich deutsch-nationale Leben erhielt. Das Ende dieser vonKarl IV. vertretenen antistädtischen und antideutschen Politik wardann der große Städtekrieg, die vollkommene Niederlage der Städteder Verfall des deutschen Einflusses im Norden und Osten, wo dasnationale Königtum zur Befestigung seiner Stellung allenthalbenempordrang.