bekanntlich das Kaiserin»! gewann, indem er den rechtmäßigen aberwiderwilligen Papst absetzte und sich bau einem Afterpapste krönenließ, der dann ebenso die deutschen Fürsten dahin brachte, nachträglichzn erklären, daß der Kaiser denn Papste unabhängig sei und durchdie Wahl der Fürsten Kaiser werde. Diese Anerkennung macht jadein deutschen Geschichtschreiber alle Ehre, aber wie stellt sich derrömisch-katholische Theologe dazu? Alle die ans dem unklarenSanimelsnrinm von staats- und natnrrechtlichen Ideen hervorgegangenenStreitigkeiten erwähnt Janssen mit keinem Wort, aber ebensowenigverhilft uns seine Darlegung zn einer klaren Anschauung des Ver-hältnisses zwischen Papst und Kaiser, und jene hochtönenden Phrasenüber dieses Verhältnis hat die Geschichte, sollte man denken, denn dochgenugsam als das demaskiert, was sie sind: Phrasen, Unmöglichkeitenfür das Zusammenleben der Völker. Wie die Kirche nicht ans demKonflikt ihrer Ideen mit dem Leben der Völker herausgekommen ist,so Janssen nicht ans dem Konflikt, in den seine deutsche Natur mitseinen theoretisch-romanischen Anschauungen sich verwickelt.
Die Lebensfrage des deutschen Volkes war einfach die: ent-weder gab es seine natürliche Kraft dazu her, eine europäische Uni-versalmvnarchie zn schaffen und das konnte dann nur ans dem Wegeder Eroberung und nationalen Anfsangnng, des Absolutismus desDeutschtums geschehen, d. h. ans dem Wege der Unterwerfung desPapsttums unter das Kaisertum und der Unterwerfung Europas unterdas von Deutschland beherrschte Papsttum — dieser Weg führte alsozur Hierarchie ans deutscher Grundlage, wie sie Heinrich III., oder ineiner späteren Knltnrpcriodc zum Eäsaropapismns, wie ihn die Stanferversuchten oder aber das deutsche Volk machte seiner natürlichenindividualistischen Anlage zufolge Front gegen den Absolutismus, unddamit ward dann das Kaisertum faktisch von seinem universalistischenPiedestal herabgchoben und ivnrde zn einer klangvollen Verschönerungdes deutschen Königtums. Auf diesem Wege finden wir das deutscheLeben nach der stansischen Periode. Aber diesen Weg ruhig fvrtzn-wandern ward ihm nicht gestattet, denn als der Kampf zn seinerletzten Frage herangewachsen war, ob das Kaisertum über dem Papst-tum stehe, trat auch die andere Seite der Frage energisch hervor,ob nicht vielmehr das Kaisertum dem Papsttum Unterwürfigkeit schulde?An die Beantwortung dieser Frage hat das Papsttum seine Kräfte