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Johannes Janssen und die Geschichte der deutschen Reformation : eine kritische Studie
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ihn nimmt; klar vollkommen, wenn man, wie wir das thnn, jedeäußere Erscheinung als das Ergebnis der in ihr verkörperten Lebens-kraft auffaßt, dunkel, wenn man dies wie Janssen nicht thnt. Oderhat er sich plötzlich zu einer naturalistischen Anschannng bekehrt?

Die Deutschen waren ein Gemisch von Stämmen, in denen dieFranken den Kern bildeten. Janssen redet nun weiter (S. 415) vonder Unterwerfung der Sachsen. Andere Geschichtschreiber thnn dasauch. Aber von einer eigentlichen „Unterwerfung" der Sachsen meldetdie Geschichte nichts. Sie fugten sich Karl dem Großen, der keinMittel gescheut, ihre Volkskraft zu brechen. Aber er brach sie nicht.Wenig mehr als ein Jahrhundert nach dem Tode des großen Franken-herrschers errangen die Sachsen, als der kräftigste deutsche Stamm,die Führung im Reiche. Die sogenannten Unterworfenen wurden zuHerrschern. Ans der folgenden Seite spricht Janssen davon, daß derfesteste Kitt des unter Sachsen neu gceinigten Reiches die Einheit derdeutschen Kirchenverfassnng gewesen sei. Wer die Geschichte jener Feitstudiert und mit nüchternen Augen betrachtet, wird von dieser Einheitnicht viel finden. „Wir werden sagen müssen, daß in diesen Zeitendie sittliche Bedeutung wenigstens des oceidentalen Christentums demgermanischen Heidentum gegenüber ebenso tief zu stehen schien, wieseine intellektuelle Leistungsfähigkeit dem Islam gegenüber." Fürdiese Anschannng gibt uns gerade die Regiernngszeit Ludwigs desKindes und Konrads I. die nnwiderleglichsten Zeugnisse. Was gabalso der neuen Neichseinnng ihren Halt? Wir sagen: zunächst wohldie ungebrochene gesunde Kraft des Sachsenvolkes und des in ihmzur thatsächlichen Führung emporgcdrnngenen Geschlechtes der Lndol-finger. Dann aber war es die Not, welche die deutschen Stämmeabermals znsamnientrieb: die Aussicht, den ungarischen Neiterscharenund den normanischen Seeräubern einzeln zu erliegen. Die deutscheKirchenverfassnng gab so wenig einen Halt ab, daß Heinrich I. dievon Mainz angetragene kirchliche Salbung zurückwies und damit dieKirche preisgab, „als deren verhaßter Bundesgenosse sein Vorgänger(Konrad I.) dem einmütigen Widerstand der Stämme erlegen war."Also nicht die Kirche einte, sondern die deutschen Stämme einigtensich im Gegensatz zur Kirche, die deutsche Entwicklung nahm ihre Bahnans dem durch erstmalige romanische Überflutung erzengten Chaos zu