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mierte und zur reaktionären Bancrnkirche wurde? Jedenfalls ist daseine sicher, daß der innere Ziviespalt, in den die Kirche geriet, seitdemsie eine national-kulturelle Entwicklung im Papsttum mitmachte undandrerseits doch ihre universalen Ansprüche nicht fahren ließ, seitdemsie einerseits die städtischen Knltnrbahnen betrat und andrerseits dochan ihren Dogmen anS der Banernzeit unerschütterlich festhielt, aufdie Entwicklung des Abendlandes in der furchtbarsten Weise einge-wirkt hat. Alles geriet ans den Fugen, alle sittlichen Kräfte kamenins Wanken, keiner wußte mehr, woran er sich halten sollte, Pomobersten bis zum letzten ihrer Diener schwankte alles zwischen einemunverständlich gewordenen Dogma und der natürlichen Entwicklungder Volker. Von diesem großen, wirklich weltbewegenden Prozesseerzählt uns Janssen nicht ein Wort; er erzählt uns bon den Rezeptendieses oder jenes sittlichen Banerndoktors, aber Po» den Katastrophen,welchen die Kirche selbst und immer mehr und mehr ausgesetzt war,sagt er uns keine Silbe. Wer hat das deutsche Volk und Lebenkrank gemacht? Wir fragen nun danach, denn Janssen weiß es nicht.Versuchen wir, die Antwort zu geben!
Die erste Erschütterung der germanischen Elemente erfolgte durchdie Nomer. Ans denselben gingen die germanischen Stämme herbor,wie sie noch heute bestehen, die Franken, Schwaben, Bayern undSachsen. Sie traten in ein positives Leben. Der zweite Wandelerfolgte durch die Einführung des Ehristcntnms. Die Kirche wargleichsam die Amme, welche die jungen Sprößlinge groß zog. Solange diese Amme selbst sich bon den Erzengnissen des germanischenLebens nährte, war sie imstande, dem jungen Wesen eine gedeih-liche Nahrung zu spenden. Wir finden das weitgehendste Entgegen-kommen von seite der Kirche dem germanischen Gcmütsleben gegenüber.Der Wechsel trat ein, als das romanische Element sich um das Lebender Kirche zog und dieselbe ans ihrer fließenden Universalität hinaus-hob, sie mehr und mehr in sein Wesen und Sein hineinzog. Dabegegnen wir dem erste» großen Konflikt. Der unter Heinrich III.gewagte Versuch, das Lebe» der Kirche im Flusse und in engster Ver-bindung mit dem germanischen Leben zu erhalten, scheiterte. Clnnheroberte den päpstlichen Stuhl, der romanische Gegenstoß erfolgte, erward siegreich unter Gregor VII. Aber zwei große Veränderungenhatte» sich dabei ergeben: das Papsttum hatte sich verbündet mit dem