Er führt da Warte ans Schanz „Znr Geschichte der dentschen Gesellen-Verbände ini Mittelalter" an: „das Eindringen des römischen Rechtsmachte Städte nnd Zünfte für Findnng des Rechts unfähig undführte sie bei ihrer Ohnmacht ganz der emporsteigenden Kraft derLandesherrn zn. Die Zersetzung, welche durch die Reformation aufallen Gebieten hervorgerufen wurde, beförderte nicht minder den Zer-fall der Genossenschaften, die vielfach mit religiösen Einrichtungenverwebt waren. Noch schwerer fällt ins Gewicht der wirtschaftlicheRückschritt im sechszchnten Jahrhundert". Das ist sehr schön, abernicht wahr, denn das Eindringen des römischen Rechts war ebenso-wenig Ursache des Verfalls des dentschen Rechts, wie die ReformationUrsache einer Zersetzung war, sondern die Nechtsbildnng in Städten nndZünften hatte schon vorher aufgehört, sie erlosch mit der Einführungdes römischen Rechts, nicht durch sie. Hätten wir noch ein eigenesRecht gehabt, welches unser ganzes Leben erfüllt hätte nnd mit ihmgewachsen wäre, für das römische Recht wäre dann gar kein Platzgewesen, nnd zn einer Einführung desselben wäre es nie gekommen.Daß das stimmt, sagt uns Janssen indirekt selbst, denn die streikendenBäckergesellen zn Colmar wandten sich an das königliche Hofgerichtzn Ensisheim, dann an das Neichskammergericht zn Frankfurt, umihren Streit entscheiden zn lassen. Also innerhalb ihres zünftischennnd städtischen Verbandes gab es für ihren Fall kein Rechtsmittelmehr. Ebenso entschieden in Gcroldshofen 1479 (S. 339) die fürst-lichen Vögte einen Streit der Schnstergesellen mit ihren Meister». Ansder Janssenschen Darstellung erkennen wir die Ursache dieser Streitig-keiten; sie ist die ewig gleiche nnd immer wiederkehrende: der Egoismusder Meister nnd der Übermut der Gesellen. Und neben diesem Ver-fall schreitet die mehrfach erwähnte „christlich ermannng" einher, ihnverfolgend von Stufe zn Stufe. Aber ihre ganze Weisheit bestehtimmer nur darin, daß sie dem Kranken rät, znr früheren Gesundheitzurückzukehren. Den Handwerkslenten nnd Gesellen sagt sie treuherzig,daß Uberköstlichkeit der Seele Dieb nnd des Leibes Verheerer ist, weilsie gebiert Laster vieler Art. „Halt die seele siarck nnd rein. Nitminder starck und rein dinen leip. Tarzu nutze was dir fry steet infrher zeit, als da ist Pfil- nnd bolzenspil nnd ander Übung, als da istbaden und snnstiges!" (S. 31l>.) Das ist ein guter Rat, eine tüchtigeEinsicht. Aber wenn die Kraft fehlt, ihr zn folge», wie schafft mau
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Johannes Janssen und die Geschichte der deutschen Reformation : eine kritische Studie
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155
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