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Johannes Janssen und die Geschichte der deutschen Reformation : eine kritische Studie
Entstehung
Seite
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Religion niemals als Grundlage, sondern nnr als natiirliche Folge dergesunden Lebensentwicklnng eines Volkes betrachtet werden, einer Ent-wieklnng, welche ebenso wieder nnr dann gesnnd zn bleiben vermag,wenn sie gleichmäßig ans allen Gebieten fortschreitet, nnd ihr nicht durcheine fremde Macht das Wachstum ans dem einen oder andern Gebieteunterbunden wird. Wer hat das deutsche Leben krank gemacht?„Dem Zunftzwang vorzugsweise verdankte man das Aufblühen der Ge-werbe. Schädlich nnd verderblich wirkte derselbe erst, als er bezüglichder Aufnahme neuer Genossen in spießbiirgerliche Engherzigkeit ausartetennd, im wesentlichen nicht vor der Mitte des sechszehnten Jahrhunderts,sich in ein Monopol für eine bestimmte Anzahl von Mcisterfamilienverwandelte und in empörender Weise das natürliche Recht ans Arbeitverletzte". (S. 326.) Das n atürli ch e Recht ans Arbeit, Herr Janssen?— Hier ist die Krankheit. Wo ist ihre Ursache? — Janssen ver-schweigt sie uns immer noch.

Er erzählt uns weiter von den Vereinen gleichartiger Zünfte,nnd hier wollen wir einmal einen Augenblick verharren. Die mittel-alterliche Verfassung des selbstthätigen deutschen .Handwerkslelmw zeigtuns einen energisch rnral-demokratischen Eharakter. Sehen »vir dasFortwachsen vom Individuum zum Jndividnenverbande, zur Zunft,der Zünfte zur Bürgerschaft, dann das Hinaustreten der einzelnenZünfte über die städtische Einheit in den Znnftverbänden, der Städtewieder in den Städtebündnissen, so müssen wir sagen, hier liegt vornnsern Augen ein Wachstum, welches, von fremden Gewalten itnge-hennnt und unbehelligt, allmählig unser ganzes deutsches Volk zn um-spannen bestimmt schien, das wie das Adernetz eines Körpers demfließenden Lebensstrom zur Aufnahme dienen konnte »nd dienen mußte.Kam es dazu? — Nein! Warum nicht? — Die Ursache ist dieselbe,an der unser Volksleben erkrankte.

Janssen bespricht die Stellung der Handwerkslchrlinge, der Ge-sellen, er erzählt uns von den Gescllenverbänden, die bereits in,15. Jahrhundert ein Gegenmittel gegen die Meisterverbände wurden.Also das Znnftlcben ist bereits in der Entartung begriffen. Es fragtsich, ob diese Entartung durch die angewandten Gegenmittel wiederausgemerzt werden kann? Der Egoismus der Meister schuf dieGcsellenverbände. In einer Anmerkung ans Seite 355 macht unsJanssen wieder ans ein Thmpton der werdenden Krankheit aufmerksam.