drückt, „vo» der durch Gott gesetzten Obrigkeit" die Hcnchlermaskevom Antlitz weggezogen wird. Auch an Maximilian war diese Zeit-aiischanung, wie wir noch sehe» werde», nicht spurlos vorübergegangen.
Janssen wirft zum Schluß einen Blick ans das Leben an derWiener Universität. Er erzählt von Konrad Celles, daß er, „inseiner völlig antik-naturalistischen Weltanschauung und epiknräischenLebensweise nicht mehr den alten christlich-gläubigen und sittlich-ernsten,sondern schon der aufgeklärten jnngdentschen Hnmanistenschnle angehörthabe". Daß einer aufgeklärt ist, kann ihm wohl nnr bei einem Theo-logen zum Vorwurf gereichen. Andrerseits aber fragen wir hier:Wo war Celles her? Wo stammte Willibald Pirkheimcr her, beidem Janssen ähnliche moralische Betrachtungen anstellte? Cellesstammte ans dem fränkischen Dorfe Wipfeld, Pirkheimcr ans derfränkischen Stadt Nürnberg. Beide also Frankensöhne, keine West-phalen! lind dazu war der eine noch Patriziersoh», was die Elterndes andern waren, ist mir nicht bekannt. Das aber thnt anch etwaszur Sache und trägt zu der späteren Charakterentwicklnng eines Men-schen mehr bei, als sich so ein Romantiker tränmen läßt, für den alleLeute ans „Leinen" gemacht sind.
Wir berühren damit wieder einen nnsrer Ausgangspunkte.Janssen zieht die geschichtliche Vorentwieklnng der deutschen Stämme,des deutschen Volkes, wie der einzelnen bei seinen Urteilen nicht ge-nügend in Betracht. Daher einerseits die Einseitigkeit in seinen Ur-teilen. Andrerseits imputiert der Theologe dem Historiker fortwährendsein schon vorher fertig gemachtes Urteil. Und so erreicht Janssendas, was er will, daß sich die Geschichte ans sich selbst erklärt, nichtim entferntesten. Die Dinge erklären sich nicht aus sich, sondern derTheologe erklärt sie, wir sehen nicht, wie eins ans dem andern wird,sondern fliegen fortwährend ans einer Welt in eine andere, ohne daßnnS der Geschichtschreiber die Verbindung zeigt, welche anch zwischendiesen Welten besteht und ans der einen in eine andere hinüberleitet.Daher die andere Einseitigkeit in den Urteilen Janssens. Sein Berichtüber Volksnnterricht und Wissenschaft im ausgehenden 15. und be-ginnenden 16. Jahrhundert ist ein mißlungener, mißlungen im höchstenGrade, und die vielfach verschlungenen Fäden erscheinen uns in derJanssenschen Darstellung wie ein wilder Knäuel, nicht aber wie dasGetriebe einer einzigen großen Webcmaschine, des Webstuhls des