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Johannes Janssen und die Geschichte der deutschen Reformation : eine kritische Studie
Entstehung
Seite
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Stellen der hl. Schrift mit einander auszugleichen." — Also .cknchGeiler von Kaisersbcrg ein Mann, der rückwärts statt vorwärts siW^..Sein „bewährter Grundsatz", mit dem Studium der Theologie hinten,statt vorne anzufangen, war gleichbedeutend mit dem Vorschlag, sichmit dem Wasserkruge, anstatt au der frisch dahinfließenden Welle derQuelle zn schöpfen, an eine weiter nuten stehen gebliebene Pfütze zuwenden, er war dasselbe, als wollten wir heute, anstatt den Tertianernden Cäsar selbst in die Hand zu geben, das Studium des gallischenKrieges damit beginnen, die Interpretationen der Philologen durch-zuarbeiten. Wir wollen ein solches Vorgehen Geiler nicht besondersübel nehmen, da er hier nicht seinem Drange ins Leben folgte, son-dern seinen scholastischen Ahnen nachtrat. Aber daß Janssen einensolchen Grundsatz heute noch billigt, daß er demgemäß raten müßte,das Studium einer fremden Sprache nicht mit den Regeln, sondernmit den Ausnahmen zn beginnen, ist doch hoch bezeichnend für diegeistige Klarheit des Mannes. Daß man auf diesem Wege schließlichauch zum Ziele kommen kann, wollen wir nicht in Abrede stellen, aberdazu gehört doch mehr als eine Normalnatnr, mit der der Lehrer znrechnen hat. Die normale Natur wird ans diesen, weiten Umwegenie zum Ziele kommen, sondern nnterwegs vor Müdigkeit umfallen.Sie wird, statt in die großen Wahrheiten, in den Geist der Schrifteneinzudringen und also fähig zu werden, denselben positiv erfassendins lebendige Dasein einzuführen, bei den formalen Fertigkeiten hängenbleiben, die eben auch Geiler konsequent vorab als das Wünschens-werteste betrachtete. Damit aber schnitten diese Theologen der Theo-logie selbst den Weg eines innern regelmäßigen Wachstums ab, sielenkten dieses Wachstum auf Seitenpfade, und so schössen aus alterWurzel die wilden Triebe einer neuen Theologie empor. Das wardie notwendige, die unumgängliche Folge, denn wer es als Haupt-aufgabe irgend eines Knltnrgebietes betrachtet, „die Einwürfe desHäretiker zn beseitigen", ist am negativen Pol angelangt, wo daseigene Leben versagt und sich darauf beschränkt, neues Leben von sichfernzuhalten und niederzudrücken. Gerade dieses Ergebnis aber wardas Werk der sogenannten „älteren" Humanisten, welche den Unter-schied nicht zn erkennen vermochten, der zwischen Bibel und altenKlassikern, als frischen Erzeugnissen des Lebens selbst, und den Werkender Scholastiker, als reproduktiven Erzengnissen, als Erzengnissen