„Wie edel er seine Wissenschaft auffaßte, zeigen seine Äußer-ungen über die juristische Doktorwürde, ,die man', sagt er, ,nicht er-wirbt, um sich dem Dienst der Höfe zu verschreiben und mit ihremStempel brandmarken zu lassen, auch nicht um sich im Schmutz derGerichtshöfe und Konsistorien herumzuwälzen, sondern um das Rechtzu sprechen und zu lehren, Zweifel zu entscheiden und den Staat zulenken. Dies kommt einem ordentlichen Doktor zu; jenes widersprichtunscrm Berns; dies nützt den Völkern, jenes richtet sie zu Grunde'."Es ist prächtig, wie Zasius mit Luther übereinstimmt. Der warDoktor der Theologie, und wie jener jich nicht dem Dienste der Höfeverschreiben wollte, und die Braudmarkung mit dem Hofstempel scheute,so wollte dieser nicht die theologische Wahrheit im Sinne einer macht-habcndeu Clique gedeutet wissen, wie jeuer Recht sprechen und lehren,Zweifel entscheiden und den Staat lenken, so glaubte dieser seineMeinung haben und mitreden zu dürfen, wo es galt zu predigen undzu lehren, Zweifel zu entscheiden und die Kirche zu lenken. Kamjenes einem ordentlichen Doktor des Rechtes zu, so dieses sicherlichebenso einem ordentlichen Doktor der Theologie, und richtete es dieVölker zu Grunde, wenn der Doktor des Rechts seine Pflichten ver-gaß, so ebenso, wenn es der Doktor der Theologie that, wie sie beideden Völkern nützten, wenn sie sich die edle Auffassung ihrer Wissen-schaft bewahrten. — Es war klar, daß solche Persönlichkeiten geradezuhinreißend wirken mußten. Auch das Schicksal, keine gleichwertigenund ebenbürtigen Nachfolger gefunden zu haben, war beiden gemeinsam.Beide suchten den Weg zur Vereinigung ihrer deutschen Natur mitdem Kultnrgciste der Menschheit, und wenn sie dabei nicht nur Kon-zessionen machen, sondern auch empfangen wollten, so war das ebenabsolut natürlich. Denn das Recht, wie die Theologie war unterder Führung der Romanen zu diesem Grade erwachsen, nun solltendie Deutschen die Fortbildung der Kultur übernehmen, und so wares klar, daß auch ihr Geist in ihrem Werke zu Worte kam. Daswar so natürlich, daß es vollkommen unnütz scheint, darüber weitereWorte zu verlieren. Aber der Theologe Janssen ist andrer Meinung.Wir kennen diese Meinung: weil die romanischen Nationen mit ihrertheologischen Weisheit zu Ende waren nnd nichts positiv Weiter-führendes mehr zu bieten vermochten, sollten die Deutschen, die ebenerst sclbstzcngcnd in das Geistesleben Europas eingetreten waren, auch
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Johannes Janssen und die Geschichte der deutschen Reformation : eine kritische Studie
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86
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