entsprach es, das; Böhmen einstweilen nnter Georg Podiebrad seinebisherige führende Stellung an der Spitze der Verhältnisse ini östlichenDeutschland wieder gewann. Selbst gegen Kaiser und Papst wagteder ketzerische Georg in die Schranken zu treten, die nationalen König-tiinicr des Ostens, Polen und Ungarn, schwangen sich neben Böhmenmächtig empor und in Deutschland fanden diese Mächte ihre Bundes-genossen. Unentschieden war der Kampf des Fürstentums mit demStädtetnm geblieben, unentschieden, weil die Gegensätze innerhalb desFürstentums selbst noch nicht ausgeglichen waren. lind diese Gegen-sätze brachten den Krieg des älteren Fürstentums gegen das jüngere,der Wittelsbacher gegen Habsburg-Hohenzollern-Württemberg. Neichs-reformplänc wurden geschmiedet, aber dem Habsburger, der ans demKaiserthrone saß, waren sie ein nnberständlicher Gedanke. Ebensowar das Papsttum reaktionär. Pins' Ii. Auftrete» in Mantna istJanssen wohl bekannt: die Konstanzer und Baseler Prinzipien, diePrinzipien der Reformation, wurden als ketzerisch bcrdammt. Soblieb die Wirksamkeit des deutschen Kardinals Nikolaus von Eueseine beschränkte, eine welthistorische ist sie nicht geworden. Hier standder rechte Mann am unrechten Fleck. Nach kaum einem Vierteljahr-hnndert war in Deutschland bon den Neformationserfolgen des Kardi-nals nichts mehr übrig. Sein für den Papst Pins II. ausgearbeiteterEntwurf zu „einer Generalreform" blieb ein totes Schriftstück. Dasganze Wirken des Kardinals läßt sich in die Worte zusammenfassen,daß er, selbst ans der Ncformationsepoche der großen Konzilien her-vorgegangen, — also keine unvermittelte Lichtgcstalt — den Neform-gedanken, der sich durch die langen Beratungen und Verhandlungenverflüchtigt hatte, von neuem zu konzentrieren suchte und denselben soals eine lebendige Einheit einer späteren Zeit vermittelte. Eine Re-form „an Haupt und Gliedern" - das war das Begehren, die lauteoder stille Forderung aller. Ans der Sphäre der Demokratie, welchedie Konzilien beherrschte, trug der Kardinal den Neformgedanke» nachoben zum Papstthnm. Hier ward er begraben. Eine neue demo-kratische Bewegung erst wird denselben wieder zum Leben erweckenkönnen. Janssen wird zugebe» müssen, daß der Neformgedanke unaus-führbar blieb, so lange ein Friedrich III. einerseits das Haupt bildete,solange andrerseits das Papstthnm in jener Verfallsepisode begriffenblieb, die mit einem Alexander VI. den Höhepunkt erreichte. Denn
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Johannes Janssen und die Geschichte der deutschen Reformation : eine kritische Studie
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