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Johannes Janssen und die Geschichte der deutschen Reformation : eine kritische Studie
Entstehung
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daS kindliche Stadium, das Stadiuni des Gemiitslebeiw nicht verlassenwird, so hat die Religion doch anderseits die Pflicht, ihre Formenfortwährend also weiterzubilden, daß sie mit den festen Ergebnissender Wissenschaft, der realen und unumstößlichen Erkenntnis nicht inWiderspruch stehen. Denn der Glaube steht von Natnr ans nicht imGegensah zur Erkenntnis, sondern bildet sogar deren Vorstufe. Nnrein unnatürlicher, verdorbener Glaube stellt sich dieser Erkenntnishemmend in den Weg. Eine Religion aber, welche ans solcher Basisruht, wird sich auch stets anmaßen, das Wissen bekämpfen zn wollen,sie wird, da es ihr selbst und ihren Trägern an jeder Erkenntnis-fähigkcit fehlt, ihre Inferiorität so wenig zugestehen, als sie dieselbeerkennt. Es könnte sich also bei einer richtigen und natürlichen Ver-teilung und Ergänzung der Denkarten und Denkfornien niemals darumhandeln, eine Kulturstufe durch die andere verdrängen zn wollen, eineältere Kultur zur Despotie einer jüngeren fortgeschrittenen zn machen,sondern es könnte sich nnr darum handeln, zwischen Glanben undWissen zn vermitteln, die Brücke zn finden, über welche sich der Ver-kehr eines Menschenbrnchteils mit dein andern zn vollziehen vermag.Eine Religion aber, welche dieses erste und Grund legende Gesehaußer Acht läßt, welche von ihren Grnndwesen abgeht, die menschlicheErkenntnis in ihrem Fortschreiten zu verfolgen und nach dieser Er-kenntnis ihre Glanbenssätze zn regeln »nd immer wieder von neuemzn regeln, ist keine Religion mehr, sondern ein erstarrtes Gebilde,welches lebenspendend nnr so noch zn wirken oerniag, daß es zer-bröckelt und sich vollkommen zerseht. Denn „Religion" bedeutet„riicksichtliche Beachtung"; das Wort selbst enthält in seiner ursprüng-lichen Bedeutung den Begriff der Sammlung. Es soll zusammen-gefaßt werden, was der Menschengeist erkannt hat, und diese gesammeltenErkenntnißsähe sollen durch riicksichtliche Beachtung zur Grundlagewerden, aus denen die Gesehe der menschlichen Lebenshaltung selbstempor sprießen. Nun ist aber die Erkenntnis keine stillstehende, son-dern eine beständig fortschreitende. Zn einem Stillstande also durftees auch in der Religion nicht kommen. Kommt es trotzdem dazu, sowird diese Religion mit der fortschreitenden menschlichen Erkenntnisin Konflikt geraten, sie wird aus einem sammelnden, sich fortwährendergänzenden, positiv schöpferisch wirkenden Element in der menschlichenGeistesentwicklnng zn einem zerstreuenden, sich fortwährend mindernden,