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Brief des Fürsten vor deni Tode seiner Mutter.
nachgelassen, und M. ist in Folge dessen meist bettlägerig; sie hatte mehrereAnfälle von Heißhunger, von denen sie viel ausstehen mußte, doch hat der-selbe seit vorgestern nachgelassen. Heut traten vor Mittag eine Zeitlangsehr heftige Schmerzen ein; in diesem Augenblick geht es besser, indessenbleibt sie den ganzen Tag zu Bett. Dein Brief vom 21ten ist vor einigenStunden angekommen; die Rebhühner sind vortrefflich; Mutter hat sichsehr darüber gefreut, da sie gar nicht mehr wußte, was sie recht essensollte. Die Commode mit der steinernen Platte möchtest Du nicht mit-schicken, auch Mutter's Sekretär, Bücher und Bücherspinde ganz unange-fochten lassen; dagegen behauptet Mutter und mit ihr sämmtliche Individuenzweiten Geschlechts im Hause, daß zwei ganz gleiche Mahagonicommoden,beide aus Templin gekommen, dort sein müßten. Eine davon würde wahr-scheinlich in Bernhard's Zimmer stehen. Jedenfalls sollst Du zwei Maha-gonicommoden mit bringen, sie möchten da sein oder nicht; wenn keineandere ist, die mit den Marmorsäulen vorn. — Mutter ist jetzt zumLonpsr doch aufgestanden und hat ein Rebhuhn gegessen; falls Du nochwelche schicktest, sollten sie etwas weniger gebraten sein, aber doch so, daß sienicht verderben. — Morgen früh erwarten wir Pauline*) und übermorgenwill Marie"*) wieder mit ihr nach Potsdam gehen, vielleicht aber auch,wenn Paul nach Pommern reist, wieder mit herkommen. Mir geht esgut, aber über meine Versetzung*"*) ist noch immer nichts gekommen;am Dienstag muß ich wieder nach Potsdam, wo gerade an dem Tagegroßes Manoeuvre sein wird.
Malwinchen ist ganz munter und läßt grüßen; sie wird Lütt sehrähnlich, eine weiße Raupe ohne Taille und hängt deshalb mit vermehrterSorgfalt an dem kleinen Ungeheuer. Grüße Bernhard recht herzlich undsage ihm, daß ich mir für die Zukunft jeden Tadel wegen sauler Korre-spondenz verbitte, da er selbst anfängt, in dem Punkte um kein Haarbesser zu sein, wie ich.
Dein gehorsamer Sohn
Bismarck.
*) Frau v. Blankenburg geb. v. Kessel.
Pauline's Schwester, spätere Frau v. der Osten.
^**) Nach Greifswald zu dem 2. Jäger-Bataillon.