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Schönhausen und die Familie von Bismarck
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Brief Friedrich's vom 14. Juli 1807.

aus und ist überaus matt. Sie hält sich wegen der Reise zu den Revuenpeinlich an die Vorschriften der äoat-orss. Vorigen Sonntag sagte uns derKönig sehr viel Komplimente mit einem besonderen Lobe über Miseren Anzug,der kostet aber auch einen schönen Dreier! In unsere Uniform gekleidet, meinteer, daß wir gewiß in Berlin beim Formiren der Eskadrons den Vogel ab-schießen würden, lieber Alles informirt er sich auf's Genaueste. Mann fürMann, Pferd für Pferd besieht er und was thnt er alles für Fragen. Manmuß mit seiner Kompagnie inwendig und auswendig vertraut sein, um dieAntwort nicht schuldig zu bleiben. Er kennt fast das ganze Regiment beiNamen und von den Meisten auch das ganze Nationale. Fast beständig beiunserem Exerzieren gegenwärtig, kennt er auch die Pferde. Schon öfters hater mich gefragt: »Warum reitet Er heute einen anderen Gaul.«"

Derartige Briefe mit Mitteilungen über allerlei Ereignisse am Hofe,über die Operationen der nach dem Rhein marschirenden Armee u. s. w.finden sich massenhaft, vom Vater nach Nummern geordnet, im Archiv zuSchönhansen. Ein ausführliches Schreiben über die schnelle Hochzeit des ihmnahe befreundeten Prinzen Friedrich von Solms-Braunfels mit der PrinzessinLudwig, der Schwester der gefeierten Königin, erscheint zum Abdruck nicht ge-eignet. Dagegen ist ein Brief über die Vorgänge in Memel und Tilsit, woFriedrich im Gefolge des Königspaares verweilte, von allgemeinem Interesse:Labbcn am Ruß, eine Meile von Knckerneß, den, Hauptquartierdes Generals L'Estocq, 14. Juli 1807:^) . . . Bei Tilsit traf die ge-schlagene Russische Armee unter Bennigsen mit uns zusammen, selbigedefilirte schon über die einzige Brücke über die Memel, so mußten wirnoch 12 Stunden warten, bis uns die Reihe traf. Das Rgt. passirtedes Nachts um 12 Uhr Stadt und Brücke in unerhörtem Gedränge.Wir bivuakirteu noch einen Tag und bezogen die Kantonnirungen,die aber so eng waren, daß die meisten Pferde draußen standen. Vom1. Juli an erhalten unsere Pferde Gras und dabei 14/s Metze Hafer,welches ihnen sehr gut bekömmt. Den 24. Juni ward der Waffen-

*) Der Brief enthält in seinem ersten Theile eins weitläufige Schilderung der Kriegs-ercignisse bei Königsberg, aus welcher die Kopflosigkeit der damaligen Armeeführungdeutlich hervortritt.Der Oberst v. Nüchel hielt am Thore und sagte: SammeltEuch und beruhigt Euch liebe Kinder Ihr könnt nichts dafür. Es ist unverantwortlich,Cavallerie so zu gebrauchen! Eben dies sagte der König nachher und war sehr un-gehalten darüber."