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Rückblick auf die Entwicklung des Geschlechts von Gottberg : der Familie gewidmet zum Familientage des Jahres 1895 zur Erinnerung an den 8. Nov. 1595
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II. Die alten adeligen Familien Gottberg.

Motto: Forsch' mit Lust in PergamentenUnd das Alte wird Dir neu.

Es sei gleich an dieser Stelle darauf hingewiesen, dass unsere Familie nachweisbar sich wederauf eine der in diesem Kapitel aufgeführten adeligen, noch im nächsten Kapitel angeführten bürgerlichenGottbergs zurückführen lässt, und dass man von diesem Standpunkt aus die beiden erwähnten Kapitel fürüberflüssig halten könnte.

Da aber, wie unter Kapitel I ausgeführt, unsere Familie aller Wahrscheinlichkeit nach aus derMark und daher von einem der hier genannten Geschlechter stammt, — so wird es doch von Interessesein, das Wenige zu erfahren, was über die alten Familien des Namens bekannt ist, besonders für den-jenigen der Verwandten, welcher sich später noch mit der Geschichte und dem Ursprung unseresGeschlechts beschäftigen will.

In Riedels „Codex diplomaticus Brandenburgensis" findet man in verschiedenen Urkunden alsZeugen 7 Mitglieder einer märkischen, adeligen Familie Gottberg erwähnt und zwar zuerst im Jahre 1246.Aus dieser Zeit findet sich eine Urkunde, welche eine Schenkung der Edlen Herren Johann Gans derAeltere und der Jüngere von Wittenberge an das Kloster Stepnitz behandelt. In derselben heisst es zumSchluss: Testes sunt: dominus (d. i. Herr, Ritter) Conradus de Gottberge, canonicus (d. i. Domherr) inBoystere (jetzt Beuster), dominus Bolde de Gotberge et dominus Godefridus, frater ejus etc.

Im Jahre 1275 wird wieder ein Conradus de Gotberghe als ritterlicher Zeuge in einer Urkundegenannt, in welcher „Otto und Albrecht, Markgrafen von Brandenburg sich mit dem Grafen Helmod vonSchwerin über die gräflich-schwerinschen Lehen des Ritters Hans vergleichen".

Im Jahre 1307 treten zwei Gottberge als Zeugen auf, nämlich Conrad v. G. der Aeltere undConrad v. G. der Jüngere in einer Urkunde, in welcher die Edlen Herren zu Putlitz einen Revers geben,„ihre Unterthanen in der Wische nicht zu beschweren". Einer der anderen Zeugen ist Herr „Ludolpf",Dechant in Boyster.

So geringen Anhalt uns die vorstehenden Urkunden geben, so lässt sich doch mit Sicherheitannehmen, dass die genannten Gottbergs sämmtlich zu einer Linie gehörten, welche auf dem Gute Gott-berg *) in der Altmark erbsessen waren. Letztgenanntes Dorf grenzte hart an die Besitzungen der damalssehr mächtigen „Edlen Herren Gans zu Putlitz", welche in jeder der angeführten Urkunden eine Rollespielen; ebenso wie das Dorf bezw. das in demselben liegende Kloster Boyster (Beuster), welches nur ca.4 km von Gottberg abliegt; 1724 sind die Edlen Herren v. Putlitz thatsächlich im Besitz von Gottberg.

Was das verwandtschaftliche Verhältniss der Genannten zu einander betrifft, so ist Conrad v. G.,welcher 1246 als Domherr in Boyster erwähnt wird, jedenfalls der Aelteste und vielleicht ein Onkel derBrüder Bolde und Godefried, welche wohl in Gottberg selbst wohnten. Conrad der Aeltere und Conradder Jüngere mögen daher Söhne oder Enkel von Bolde und Godefried sein. Der 1307 als Conrad derAeltere Genannte ist jedenfalls mit dem 1275 Erwähnten des gleichen Namens nicht identisch, da letzterersich in Mecklenburg ansässig gemacht hat. Wenigstens müssen wir ihn als Stifter der MecklenburgischenLinie ansehen, denn er ist der erste des Namens, welcher in einer Mecklenburgischen Urkunde erwähntwird, nämlich in der bereits genannten vom Jahre 1275, welche sich sowohl im Mark Brandenburgischenwie mecklenburgischen Urkundenbuche befindet. Im Jahre 1318 stirbt ein Conrad v. G., Besitzer vonSarmstorf in Mecklenburg (Sarbensdorf) — jedenfalls der Obenerwähnte — und wird in Dargun, woselbstsich ein Kloster befand, begraben. Nach seinem Tode schenken die Söhne des Verstorbenen, im Hinblick

*) Gottberg bei Seehausen — später in den Händen der Familie von Grävenitz — ist jetzt ein selbstständigesRittergut, das jedoch zum Gemeindebezirk Geest Gottberg gehört, welches Dorf etwa 8 km nördlich von Seehausen an derBisenbahn von Stendal nach Wittenberge liegt. Die alten Akten über das Dorf sollen in der napoleonisch-westphälischenZeit abhanden gekommen sein.