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Zur Geschichte der Städtischen Luisenschule und der mit ihr verbundenen Lehrerinnenbildungsanstalt zu Düsseldorf : Festschrift zur Feier des fünfzigjährigen Bestehens der Anstalt am 30. Oktober 1887
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Vertiefung in den Lehrgcgenstand nm so mehr gefordert werden müssen,als Mädchen bei dem raschen Wechsel des Interesses nur zu leicht zuGedankensprüngen geneigt sind; auch sollen nicht alle Schwierigkeitenaus ihrem Bildungswege hinweggeräumt werden, um einer unklarenGefühlsschwärmerei Platz zu machen; endlich ist es selbstverständlich,daß der Unterricht die einzelnen plastischen Erscheinungen, die er bietet,nicht isoliert stehen lassen darf, sondern daß er sie zu einem lebensvollenGemälde abzurunden und namentlich auf den oberen Stufen den Blickin den Zusammenhang der Thatsachen zu lenken hat, damit Geist undHerz auf gleiche Weise die entsprechende Nahrung geboten wird.

10. Dieselbe Aufgabe hat auch die Zucht, dieser zweite wichtigeFaktor der Erziehung, zu erstreben. Diese darf dem Kinde nie alsZwangsanstalt erscheine!?, sondern soll voi? ihm stets als eine zumGehorsam verpflichtende Macht gefühlt werden, welche die zur Herrschaftder Sittlichkeit unumgänglich notwendige Befreiung des Willens von derHerrschast der sinnlichen Triebe erzeugen will; sie ist nicht äußerlich, alsbloße Strafbestimmung, sondern in engem Zusammenhang mit Erziehungund Unterricht zu üben, aus denen sie ihre Mittel der Wirksamkeit zuempfangen hat, und hat dem Schulleben eine solche Richtung zu geben,daß die festbestimmte Regel der Hausordnung zur guten Sitte werde,welche schon bei unsern Vorfahren sich wirksamer erwies, als die strengstenVorschriften.

11. Die höhere Mädchenschule will, wie bereits hervorgehoben, inihren wesentlichen Bestrebungen nur Weiterbildung und Ergänzung derFamilie sein. Hier walten in gemeinsamer Thätigkeit Vater undMutter, die in ihrer gegenseitigen Ergänzung in einer von Gott geord-neten Weise stets der wahre Typus der Erziehung bleiben werden.Diesen? Winke gemäß hat die höhere Mädchenschule außer den männ-lichen Erziehern sich aucb weibliche Kräfte zugesellt. Was man auchgegen den Lehrberuf der Frauen einwenden mag, es ist einevon allen Leitern weiblicher Bildnngsanstaltcn anerkannteund oft ausgesprochene Wahrheit, daß weibliche Lehrkräftefür die harmonische Ausbildung des Herzens und Geistes derMädchen schlechterdings nicht zu entbehren sind. Ihre Hin-gebung, ihr gesunder, in? Augenblicke das Richtige treffender Verstand,ihr inniges Gefühl für alles Gute und Edle, ihre unermüdliche, keineBeschwerde scheuende Ausdauer, ihr unbefangener, religiöser Sinn -dies alles sind Eigenschaften, die schwer genug, meine ich, ins Gewicht