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Zur Geschichte der Städtischen Luisenschule und der mit ihr verbundenen Lehrerinnenbildungsanstalt zu Düsseldorf : Festschrift zur Feier des fünfzigjährigen Bestehens der Anstalt am 30. Oktober 1887
Entstehung
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fruchttragenden Boden finden, oder, wenn der also aus-gestreute Samen aufgehen sollte, nur in der Gestalt von Unkraut die gute Saat überwuchern und ersticken.

8. Es ist in der That ein Leichtes, das Verderbliche der wissenschaft-lichen BeHandlungsweise des Unterrichts in Mädchenschulen nachzuweisen.Begnügt sich beispielsweise der Unterricht in der deutschen Litteraturnicht, den in der Seele des Kindes schlummernden Keim der Poesie zuwecken, den Willen an den Vorbildern edler Gestalten zu kräftigen unddas in den Meisterwerken sich spiegelnde nationale Bewußtsein denHerzen der Kinder nahe zu bringen, sondern meint durch eine kritischeAuflösung und durch Bloßlegung der Schönheiten und Eigentümlichkeitender Dichtung, diese dem Verständnis näher zu bringen, so wird derselbeunfehlbar den wahren Genuß an der Dichtung trüben und sich geradezuan dem edlen Vorrechte des weiblichen Geschlechts versündigen, das mitfeinem Takte und unbewußt sein Herz aller echten Poesie öffnet;ein ähnliches Resultat wird die wissenschaftliche Betreibung des natur-kundlichen Unterrichts für die Mädchen haben; am ärgsten jedoch wirdgesündigt, wenn die wissenschaftliche Form sich auch in den Religions-unterricht eindrängt. Da die religiöse Grundstimmnng der Träger echterWeiblichkeit ist und das ganze Seelenleben des Weibes durchdrungensoll, so hat der Religionsunterricht eine Belebung des Glaubens, derals anerschasscner Grundzug in der Seele des Kindes keimt, und eineBefestigung und Erleuchtung desselben auf Grund göttlicher Offenbarunganzustreben. Der Religionsunterricht hört auf, eine Wohlthat zu sei»,ja, er giebt seine Macht zugleich mit dem Anspruch auf pädagogischenWert auf, wenn er sich in das wissenschaftlich-dogmatische Gewand hüllt,denn die Dogmatik sucht das intellektuelle Interesse des Theologen ander Religionslchre, keineswegs das religiöse Bedürfnis selbst und alssolches zu befriedigen. Das Christentum ist nicht bloße Lehre,sondern heiliges Leben. Wer daher nicht mit Zartgefühl die reineBlüte des inneren Glaubenslebens, das aus den geheimen Falten desHerzens emporkeimt, zu schonen versteht, der wird nimmermehr erwartendürfen, hier segensreiche Früchte zu erzielen.*)

9. Durch Abweisung der wissenschaftlichen Form des Unterrichtsin höheren Mädchenschulen soll indessen in keiner Weise der Ungründ-lichkeit desselben das Wort geredet werden, vielmehr wird eine ernste

*) Vergleiche Kühner, pnd. Zeitfrage».