Einleitung.
Das Mädchenschulwesen verdankt seinen Ursprung dein Zeitalterder Reformation und dem damals von den Reformatoren ausgehendenBestreben, das deutsche Volk durch Gründung zweckentsprechender Unter-richtsanstalten auf eine höhere Cultnrstufe zu stellen. Was vor dieserZeit für die Bildung des weiblichen Geschlechts geschah, ist kaum derRede wert und beschränkt sich auf Privatuuterweisnngen, welche gelehrteMänner einzelnen hochgestellten Frauen widmeten. Unter den Refor-matoren waren es vor allen Luther und Buchenhagen, welche derErziehung der Jugend besondere Pflege angedeihen ließen und anFürsten und Ratsherren die erfolgreiche Aufforderung erließen, nebenden Knabenschulen auch Bildnngsanstalten für Mädchen ins Leben zurufen. Doch die junge Saat, die fröhlich cmporsproßte, verkümmertebald im Dränge der Zeit und ward in der grauenvollen Periode desdreißigjährigen Krieges vollständig zertreten. Es folgte eine langedüstere Zeit, in der alles geistige Leben mehr oder minder vernachlässigtwurde. In der folgenden Zeitepoche indessen, in der sich allmählichwieder ein Streben nach Höhe der Geistesbildung durchrang, erwachteauch wieder der Sinn für die Pflege der weiblichen Jugend. So findenwir auch unter den höheren Bürgerschulen, die A. H. Franke in Hallestiftete, besondere Abteilungen für Mädchenbildung, in denen außerden Elementarfächcrn auch Geschichte, Geographie, Naturgeschichte undweibliche Handarbeiten unterrichtet wurden. Das Verzeichnis derAnstalten, welches im Jahre 1727 bei Frankes Tode dem KönigeFriedrich Wilhelm I. überreicht wurde, führt 8 Lehrerinnen und weitereine Pension für „junge Frauenzimmer" mit 8 Zöglingen auf. Leiderhinderte die bereits damals in alle deutschen Verhältnisse eingedrungene