5
schulen geschehen war; aber die Schulverwaltung entsprach dieser Hoffnungnicht, sie hielt diese Angelegenheit offenbar noch nicht für spruchreifund überließ es der höheren Mädchenschule selbst, sich in langsamerschrittweise fördernder Arbeit zu vervollkommnen und die rechten Zieleweiblicher Bildung aufzusuchend)
Durch diesen Akt eines dankenswerten Vertrauens aufgemuntert,gab sich denn auch in den fünfziger und sechziger Jahren ein regerWetteifer auf dem Gebiete des Madchenschulwesens kund: ein regerProgrammaustausch der einzelnen höheren Mädchenschulen suchte dieGleichartigkeit der wissenschaftlichen und erziehlichen Bestrebungen zuvermitteln, mehrere periodische Zeitschriften, so die Thorner Vierteljahrs-schrift von Prowe und Schulze und die von Hermes herausgegebeneLtcm besprachen unter reger Teilnahme aller Beteiligten die wesent-lichen Grundlagen weiblicher Schulbildung und Erziehung; in manchenGegenden Deutschlands, besonders hier am Niederrhein traten die Leiterder höheren Mädchenschulen zu regelmäßig wiederkehrenden Conferenzeuzu Düsseldorf zusammen und suchten durch wechselseitigen Austauschder gewonnenen Erfahrungen sich gegenseitig zu ermuntern und die demwahren Charakter der Mädchen entsprechenden Bildung einer endgültigenLösung entgegen zu führen.
Im Jahre 1856 geschah seitens der Schulverwaltung der ersteSchritt zur Anbahnung eines solchen einheitlichen Lehrziels auf deinGebiete des Mädchenschülwesens, indem für die Lehramtsaspirantinneneine neue Prüfungsordnung aufgestellt und die Handhabung derselbenden Königlichen Provinzial-Schulkollegien übertragen wurde. Da jedochder Entwurf die genauere Feststellung der an die Aspirantinnen zustellenden Forderungen nicht enthielt, so bildete sich bei den verschiedenenPrüfungskommissionen eine gar verschiedene Praxis aus, die namentlich
Z Als Schreiber dieser Zeilen vor nunmehr 24 Jahren bei der Uebernahmeder Leitung der Luisenschule von dem Kuratorio der Anstalt mit der Ausarbeitungeines alle Klassen der Schule umfassenden Lehrplans betraut wurde, wandte sichderselbe an den damaligen Chef des Elementarschulwesens, den Herrn GeheimratStiehl mit der Anfrage, ob nicht von Seiten der Unterrichtsverwaltung irgendwelche Grundlinien für die Aufstellung eines Lehrplans für höhere Mädchenschulenvorgeschrieben seien, erhielt aber unter dem 24, Mai 1364 die Antwort, „daß diehöhere Mädchenschule bislang noch nicht reglementiert sei und er dies eigentlich alsein Glück ansehe, indem durch die Arbeit der Einzelnen erst feste und gemeinsameGrundlagen geschaffen werden müßten, ehe die Regierung die Sache in die Handnehmen könne".