Physische Beschaffenheit des Mondes. Z6Z
rade in dem Verhältnisse erblicken, welches sie habenmüssen, wenn wir die Neigung der Sonnenstrahlen gegendenjenigen Theil der Oberflache des Mondes, auf wel-chem sie stehen, in Erwägung bringen. Der convereUmriß des der Sonne zugewendeten Mondrandes istimmer kreisförmig und beinahe ganz glatt; aber dergegenüber liegende Rand des erleuchteten Theiles, wel-cher (wenn der Mond eine vollkommene Kugel wäre)eine genaue und scharf begrenzte Ellipse sehn müßte,wird immer sehr zackig und voll tiefer Einschnitte undvorragender Spitzen beobachtet. Die in der Nähe diesesRandes oder der sogenannten Lichtgränze befindlichen Bergewerfen lange, schwarze Schatten, was sie offenbar auch thunmüssen, wenn wir bedenken, daß die Sonne für die unter die-sen Umständen begriffenen Theile des Mondes eben aufge-gangen ist, oder untergehen will. Wenn aber die Licht-granze über dieselben hinausrückt, d. b. wenn die Sonnefür diese Theile Höhe erlangt, so wird auch ihr Schat-ten kürzer; und zur Zeit des Vollmondes, wo allesLicht in unsere Gesichtslinie fällt, bemerken wir an kei-nem Theile der Mondsoberfläche diese Schatten. Ausmikrometrischen Messungen der Schattenlänge vieler be-sonders auffallender Berge, wobei immer die günstig-sten Umstände benutzt worden sind, hat man die Höhenmancher dieser Berge berechnet, und den höchsten dar-unter ungefähr fünf englische Meilen hoch gefunden.Das Vorbandenseyn solcher Berge wird auch noch da-durch bestätigt, daß sie selbst über den äußersten Randder Lichtgränze hinans sichtbar sind, und daselbst alskleine erleuchtete Punkte oder Inseln erscheinen. DiesePunkte sind die Gipfel dieser Berge, welche die Son-nenstrahlen früher, als die zwischenliegende Ebene auf-fangen, und die, wenn die Sonne hhher steigt, sich end-lich mit den dadurch erleuchteten niedereren Theilenverbinden und an der allgemeinen Lichtgranze Vorra-gungen erscheinen.
3K3) Die Berge im Monde gewähren im Allge-meinen einen auffallend gleichförmige» und seltsamenAnblick. Sie sind außerordentlich zahlreich, nehmenbei weitem den größeren Theil der Oberfläche ein, und
111»