Cap. I. -Veränderte Lage des Horizontes'. 3.1
in der Breite betragen, und sie kann, wegen der Dunste amHorizonte, immer nur undeutlich gesehen werden. Wenner nicht, durch eine Veränderung seiner geographischenLage, seinen Horizont wechselt (der immer eine Ebeneist, welche die sphärische Convexität der Erde an seineinStandpunkte berührt); oder wenn die Himmelskörper,in Folge irgendwelcher ihnen eigenthümlicher Bewegun-gen, nicht von selbst über seinen Horizont kommen; oderwenn nicht endlich, durch eine Umdrehung der Erdeselbst um ihren Mittelpunkt, diejenige Stelle ihrer Ober-fläche, auf welcher er seinen Standpunkt genominen hat,mit herumgedreht und einer andern Region des Raumeszugeführt wird: so wird er nie auch nur die eine Hälfteder Himmelskörper außerhalb unserer Atmosphäre genauzu Gesicht bekommen. Aber wenn einer dieser Fälleangenommen wird, so kann ein größerer Theil derselben,oder es können alle, je nach den Umständen, ihm voll-kommen sichtbar werden.
61) Ein Reisender z. B., der seinen Ort auf unse-rer Erdkugel verändert, wird Himmelskörper zu Gesichtbekommen, die von seinem ursprünglichen Standpunkteaus unsichtbar waren, und zwar auf eine Weise, die sichnicht übel dadurch erläutern läßt, daß man ihn mit ei-ner Person vergleicht, die in einem Park hinter einemdicken Baume steht. Das massive Hinderniß, welchesder Stamm des Baumes darbietet, entzieht ihm dieganze Ansicht derjenigen Theile der Landschaft, welckeder Stamm verdeckt; aber indem er um ihn herumgeht,kann er nach und nach einen vollständigen Ueberblick desganzen Panoramas, erhalten. Ganz auf dieselbe Weisewerden wir unfehlbar die Bemerkung machen, wenn wirvon irgend einem Standpunkte, z. B. von London, ab-
schcinung eines westlichen Sonnenaufgangs hatte. Nachherließ er sich in Wales nieder, und sah einen zweiten Son-nenuntergang an demselben Abend. Ich habe diese Anekdotevom Ur. Lardnor, welcher beim Aufsteigen des Hr. Sad-lcr gegenwärtig war, und dessen eigene Reisebeschreibunggelesen bat. Der Verfasser.
Herschels Astronomie. 4