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Reise- und Heimathbriefe.
vorige? Aufenthalt in Berlin war mir auch eine anstrengendeZeit, ich hatte elf grosse Proben und vier Aufführungen invierzehn Tagen, bekam dabei zuletzt ein bischen Heimweh undhabe seit «ieiner Rückkehr vor acht Tagen nichts getlian, alsmich-davon erholt; und nun kann der Mensch wieder kor-respondiren. Hiermit meine ich diesen Brief nicht, der zähltunter dem mir vei'liassten Titel Korrespondenz nicht mit, son-dern die vorhergehenden und nachfolgenden. Zu erzählen weissich eigentlich nichts, als von Hoboen und Trompeten, und dienehmen sich in der Erzählung am wenigsten aus. ZwölfNummern hat der Sommernachtstraum, und die Trauermusikbei Tliisbe's Tode ist ganz in der Art, wie meine Präludien,über die Du sonst so lachen konntest, vorgetragen von einerClarinette, einem Fagott und einer Pauke, aber wie gesagt,es nimmt sich schlecht erzählt aus. Ob ich es Dir in Rhein-bayern nächsten Sommer werde vorspielen können? Ziemlichzugleich mit diesen Zeilen wird Eckert in Rom eintreffen, vondem lass Dir nur alles Mögliche über uns und auch über denSommernaclitstranm erzählen, er kann's gewiss besser als dieZeitungen. Ich versichere Dich, dass ich in jeder Probe undjeder Aufführung Deine Abwesenheit noch ganz extra ein PaarMal regrettirt habe. Es wäre so recht was für Deinen Schna-bel gewesen und Du würdest Dich von Herzen über das Ge-lungene mitgefreut und über das Verfehlte mitgeärgert haben.Lustig ist es aber, dass die Berliner sich so unglaublich wundernund entzücken über unser altes, liebes Lieblingsstück vonWilliam; gestern war es in Berlin seit den letzten zehn Tagenzum siebenten Male und Morgens nirgend ein Platz mehr zubekommen, wie mir Paul schreibt.
Neulich sassen plötzlich in unserer blauen Stube GustavMagnus mit seiner Frau und seinem Bruder Eduard und Ma-dame Türrschmiedt, und wie Du das kennst, wenn man sichin Berlin entweder garnicht oder alle Jubeljahr einmal sieht,so begriffen wir Alle nicht, wie wir es einen Tag lang ohneeinander aushalten könnten; sie gaben hier von ihrem Dres-dener Aufenthalt einen Tag zu und wir amüsirten uns sehrgut mit einander. Heut war Schubring aus Dessau da, der