Florenz.
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man drin bleibt. Zwei seiner Hauptelemente fehlen in Ober-italien, Heer und Kunst; das erste haben wir von Genua ausin seiner ganzen Herrlichkeit gesehen, und das zweite — wirsind eben in Florenz, was braucht's da weiter Worte? Ichfinde jetzt, dass ein Monat viel zu wenig ist, und dazu hatdie Woche hier wenigstens neun Festtage, an denen die Gal-lerien geschlossen sind, und mir ist es schon ganz zur Ge-wohnheit geworden, jeden Tag wenigstens sechs Raphaels zusehn, und noch jedes Mal, wenn ich die "Offizien oder den PalastPitti betrete, überfällt mich ein freudiger Schauer und daslebhafte Gefühl einer fiir's Leben wichtigen Gegenwart. Daserste Mal bin ich mit einer wahren Scheu in die Uffizien ge-treten und habe wohl über eine halbe Stunde in der Loggiades Orcagna verweilt, ehe ich mich entschlossen habe, diesenMoment zu erleben. Zu meiner Freude kehrt er aber jedenTag stärker wieder in der Atmosphäre ewiger Schönheit, dieeinen hier umgiebt.
Seit dem lsten Oktober ist unglaubliches Wetter für unsereinen, warm, hell, ungeheuer blau und so prächtig frisch dabei;am 29 sten September dagegen hat es Jiorribile dictu\ geschneit,die ersten niedrigen Hügel waren ganz mit Schnee bedecktund um Mittag war die schönste Berliner kalte Sonne undOstwind, der zwar vento grecale heisst, aber drum nicht minderkalt ist. Ich habe schön renommirt, dass das bei uns imNorden unmöglich wäre. Deine Rathschläge habe ich allebefolgt, liebe Fanny, mich in die Herzogin von Urbino verliebt,ich glaube aber, sie war mehr in ihn verliebt, als er in sie.Eine ganz besondere Liebe habe ich aber für die Madonna delCardellino, und dann für die Portraits der Päpste, und dannfür die Seggiola, und dann für das Portrait einer schönenFrau mit iibereinandergelegten Händen, und dann für alleAndern und die Disputa von Andrea del Sarto mit den fana-tischen Heiligen, ach! und die Venus von Medicis. Und wasmeinst Du zu dem Familienbild der Niobe ? 0 Jeses, sagt Frank.— Vorgestern waren wir im Theater, in einer Loge mit rotlienSophas und Marmortisch und Spiegeln; diese Herrlichkeitenhabe ich auch hier zum ersten Mal gesehn, mit deren Hülfe
Die Familie Mendelssohn. II. 16