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Reise- und Heimathbriefe.
Dii'ielilet im schönsten Italiänisch mit dem Postmeister, beriefsich aufs Reglement, das er bei sich führte, dann bedauerteder Postmeister sehr, dass er nicht lesen könnte und liessdoch anspannen und bezahlen, was er wollte; so ging's ganzleidlich, jeder Zank war eine italiänische Stunde, bis in'sModenesische; da trieben sie's zu toll; und auf der letztenStation vor Lucca hatten wir einen Postillon, der gewiss schonJemanden todtgesclilagen hatte; ich dankte Gott, dass er unslebendig nach Lucca brachte. Dort war in keinem Wirtks-kaus Platz, von wegen Naturforscherkongress; wir wollteneben, mit den grässliclisten Flüchen des Postillons, weiter indie Nacht hineinfahren, da trat ein Mann aus dem Volke her-vor, den sie Signor il Professore nannten, und bot uns eineWohnung in seinem Hause an. Der Wirth, vor dessen Thürwir hielten, redete uns auch sehr zu, hinzugehen, es wäredort sehr pulito. Pulito ist überhaupt das dritte Wort hier,man redet am meisten von der Tugend, die man nicht hat.Wir gingen hin, fanden eine recht hübsche Wohnung, einesehr hübsche Frau, wunderbar naiv an- oder vielmehr aus-gezogen; der Signor Professore war ein Wundarzt, und ausdem pikanten Anfang entwickelte sich weiter gar nichts, alsdass ich am andern Morgen aussah, als hätte ich dasScharlachfieber, so war ich von Wanzen und Mückenzerfleischt, noch heut sind Gesicht und Hände in einem trau-rigen Zustand, und besonders schön nehmen sich die rothenBeulen auf dem dunkelbraun verbrannten Grunde aus. Unter-dessen ist der Abend herangekommen, morgen werde ich unsnach Florenz bringen.
Den 2 6 s t e n. Wir sind schon lange da und zwar ineiner eigenen Wohnung (darum hat der Brief so lange brachgelegen, verzeih' auch das viele Ausstreichen; Ernstchen reitetin der Stube herum und sagt alle Augenblick il passaporto /),was gar nicht so leicht zu finden war, da fast Niemand, dereine gut eingerichtete Wohnung hat, sie anders, als für einhalbes Jahr vermiethet; indessen wir haben eine, pas si dore,que j'avais esperd, sagt Figaro, indessen pulito, mit Fussdeckenund bei sehr guten Leuten, die Frau Wirthin war früher