Druckschrift 
2 (1880) 1835 - 1847
Entstehung
Seite
214
Einzelbild herunterladen
 

Reise- und Heimathbriefe.

icli war trotz der wenigen Meilen sehr erschöpft, legte michauf den Soplia, war zwar nach einigen Stunden so ausgeruht,dass ich auf's neue Scliloss ging, um die Sonne untergehn zusehn, statt dessen kam aber ein Gewitter vom alten Sclilossauf uns zu und ging viel schneller als wir, so dass wir aber-mals durchweicht nach Hause kamen. Heut bis zwei Uhrhabe ich auf gut Wetter gewartet, um die Geroldsau undKloster Lichtentlial zu sehn, es kam aber nicht, und da fuhrenwir im Regen hierher; hinter den Bergen wurde es besser undder Münster lag prächtig in der Abendsonne vor uns. Morgenfrüh gehe ich mit Walter hinüber, mir ist wie am Vorabendeines Ereignisses. Wie luftig und leicht steigt er schon inder Ferne an den Bergen herauf; er scheint viel höher als dieBerge. Hier in Kehl habe ich weit über meine Erwartung eingutes Wirthshaus gefunden, sehr still, reinlich, ungeheureBetten, Forellen und Pfirsichkompott, dabei habe ich an Dichgedacht, liebe Fanny, wie bei Allem, was mir gefällt oderauch nicht gefällt. Ueberhaupt gefällt mir's hier sehr schön,obgleich keine Gegend ist, nach dem prätensiösen, vornehmenBaden mit den grossen Hotels mit fünftausend Kellnern undebenso viel Klingeln, die den ganzen Tag bimmeln. Hierläuten die Glocken, ein Haufen Bauern in weissen Jacken undPelzmützen kannegiessert vor dem Hause, Andere kommenmit Lasten auf dem Kopfe vom Felde herein, und Alle sagenguten Abend, das ist etwas für mein idyllisches Gemütli, undman merkt schon der Luft an, dass die Berge nahe. Ebenläutet es aber zehn, sehr spät für einen Kleinstädter. GuteNacht; morgen mehr.

Freiburg. Ich gratulire zu Felix*) und freuemich sehr, obgleich ich nichts davon habe, solches Pech habenur ich, dass das den ersten Winter geschehen muss, wo ichnicht zu Haus bin. Indessen hoffe ich, es wird ihm gefallenund wir verleben dann noch mehr Zeit zusammen; gefällt esihm, Gott behüte, nicht, dann beneide ich Euch gerade nicht.

*) Nach der Nachricht seines bestimmten Uebersiedelns fürden Winter nach Berlin.