Druckschrift 
2 (1880) 1835 - 1847
Entstehung
Seite
123
Einzelbild herunterladen
 

Conoert bei Landsberg'.

123

Maria sopra Minerva, wo die Christusstatue von Michel Angelound viele Grabmäler, auch von Päpsten, sind. Danehen einKreuzgang mit Fresken, aus dem ich mich, nach meiner Lieb-haberei, von Mönchen vertreiben liess, Abends die Franzosen,deren Portraits Wilhelm anfing. Dabei gab's natürlich vielSpass. Jeder, der sass, durfte sich bei mir bestellen, was ichdazu spielen sollte, und so spielte ich fast den ganzen Fideliodurch und noch vieles Andre und zuletzt die C-dur-Sonate vonBeethoven. Gounod war wie betrunken und sprach lauterdummes Zeug, und als er zuletzt in grosser Begeisterung aus-rief: Beethoven est un polisson", meinten die Andern, nun wärees Zeit, dass er zu Bett ginge und brachten ihn fort. Da wares wieder einmal halb eins geworden.

Donnerstag 14ten Mai. Wilhelm schenkte mir dasallerliebste Bildchen vom Schäferknaben, das er in wenigenTagen gemalt. Abends in der Dämmerung eine Stunde aufdem Pincio. Der Mond leuchtete schon in der Dämmerunghell, gelblich und warm, wie es nun dunkler ward, erschiener immer heller und strahlender, dazu traten die Sterne her-vor, die Massen der Gebäude lagen so klar und ruhig da,Alles was am Tage störend scheint, geht unter in der grossenEinheit und Ganzheit des Lichts, dazu Millionen Glühwürmerim Grase und auf dem Wege, eine laue, liebe Luft, eine voll-kommene Stille und Ruhe, es war unbeschreiblich, unver-gleichlich und unvergesslich schön. Die Augen werden mirnass, indem ich nur daran denke.

Aus einem F ami 1 i e 11 b r ief.

Gestern Abend ist denn auch unser Tripel-Concert vonBach in brillanter Gesellschaft bei Landsberg höchst gloriosund mit grösstem Beifall vom Stapel gelaufen. Ich habe Euchdoch geschrieben, dass ich es mit Charlotte Tliygeson undeiner hiesigen, sehr guten Dilettantin emstudirte? Währendwir es gestern vortrugen, konnte ich mich der innerlichenFreude nicht erwehren, das in Rom zu spielen und unsermAlten vom Berge hier neue Freunde und Jünger zu erwerben.Denn etwas Verdienst darf ich mir wohl dabei zuschreiben;