Druckschrift 
2 (1880) 1835 - 1847
Entstehung
Seite
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Venedig.

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einander gellängt. Jenes ein Besncli der Maria zeigtschon ganz den künftigen grossen Mann, das andere stellt,eigen genug, den todten Christus vor, von den Seinigenbetrauert, und hat in Farbe und Komposition etwas unheimlichSchauerliches, fast Furchtbares. Sehr interessant sind auchdie Bilder von Bellini, welche venezianische Ceremonien mitden Hintergründen der Stadt darstellen, wie sie damals war,er hat, wie Krüger auf seiner Parade, diese Bilder mit Por-trait« angefüllt, die man zwar nicht mehr kennt, aber sie dochzu erkennen meint. Dass unser Publikum immer noch diesenglattesten Portraits nachläuft, ist ein trauriger Beweis fürseine Rückschritte und diese ganze Ausstellung*) ist höchstverdriesslich. Wilhelm's Studienkopf einer Venezianerin mitdem hier im Volk üblichen weissen Schleier wird Euch sehrgefallen, heut zeichnet er eine allerliebste Wasserträgerin mitbunten Stiften in das Buch von Dir, liebe Minna."

T agebuc h:

Am 3ten und 4ten November nahmen wir Abschied vonden Lieblingsplätzen, und selbst im gräulichsten Schmutz undUnwetter übte Venedig seinen alten Zauber. Am 4ten umein Uhr fuhren wir ab; im stärksten Regen wurde in Mestreder dort zurückgelassene Wagen wieder bepackt, und wirfuhren bis Padua. Am andern Morgen, bei immer gleichschlechtem Wetter, reisten wir über das schön liegende Monse-lice, überschritten die schon bedeutend angeschwollene Etschund machten in Rovigo, einem unbehaglichen Nest, Mittag.Hier waren schon die bedenklichsten Nachrichten über denhohen Wasserstand des Po zu hören, und es wurde uns derUebergang, der hier durch eine Fähre vermittelt wurde, alsunmöglich geschildert. Wir liessen uns dadurch indessen nichtabschrecken und fuhren Nachmittags die drei Meilen bis zumPo. Allerdings zeigte sich uns hier das ganze Elend einergrossen Ueberschwemmung, es war, als hätten die Schleusen

*) Ueber welche die Berliner Briefe voller Klagen waren.

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