Druckschrift 
2 (1880) 1835 - 1847
Entstehung
Seite
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Corner See.

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Wir hatten einen Haupttreffer mit dem Wetter währenddieser Eeise, denn als wir den andern Morgen von Bormioabfuhren, fing es an zu regnen und hat drei Tage un-aufhörlich geregnet, und auf dem Joch wäre dies mehr alsunangenehm gewesen, während es uns in der Ebene eine Er-holung von dem beständigen Sehn und Bewundern dünkte. ImAddathal fanden wir furchtbare Verwüstungen, die ein Orkanvor vierzehn Tagen angerichtet hatte, an zahllosen Stellenwaren Stücke des Wegs, Brücken, Häuser weggerissen undzertrümmert; die Strasse war aber durchaus wieder in fahr-baren Stand gesetzt, und die Brücken durch provisorische er-setzt, aber der Anblick war überaus schrecklich. Am Morgendes 29sten erreichten wir den Corner See, und hier sah ichzum ersten Mal das tausendmal beschriebene, millionenmalgepriesene und dennoch so überraschende Italien. Oelbäume,ächte Kastanien und Maulbeerbäume hatten sich zwar unter-wegs schon blicken lassen, aber die Gegend hatte bis dahindoch noch immer den Alpencharakter, und erst hier verwandeltsie sich gänzlich. In Vatenna, wo wir anhielten, liegt dasGasthaus hart am See, man übersieht die hellgrüne Flächevon der sanftesten, feinsten Farbe, von den schönsten, mannig-faltigst geformten Bergen umkränzt; auch an Felsen undSchnee fehlt es nicht, aber sie treten bescheiden in den Hinter-grund und räumen hier der Anmuth den ersten Platz ein.Als Vorgrund hatten wir einen Garten mit blühenden undfrüchtebeladenen Citronen- und Orangebäumen, grossen Feigen-bäumen, Bosen, aus der Mauer wachsenden kolossalen Aloes,eine Vegetation wie toll, auf Terrassen, deren letzte in dasWasser führt. Ein feiner Regen hinderte uns natürlich nicht,in den Garten zu gebn, und die Wolken nahmen der Gegendnichts an ihrem Beiz. Ich kann Euch garnicht beschreiben,wie entzückt und wie gerührt ich war, denn rührend ist derwahre Ausdruck für die Schönheit dieser Gegend. Ich hatteso recht lebhaft das Gefühl, es mir nicht zu gönnen, und EuchAlle dazu herbei zu wünschen. Dich, liebe Mutter, müssteFaust freilich auf seinem Mäntelchen hin und Abends wiederzu Haus tragen, sonst wäre es für Dich zu ermüdend, aber