Letzter Brief von Abraham.
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heftiger Streit zwischen beiden, welcher damit endete, dassVarnhagen ziemlich erregt, und ohne versöhnenden Abschlussder Diskussion das Haus verliess.
Nach Abrahams Tode fand man auf seinem Pult den nach-folgenden, unbeendigten Brief, dessen Original Varnhagen zusich nahm, während sich in den Familienpapieren eine Abschriftvon der Hand von Fanny Hensel befindet.
16. November 1835.
„Wenn Sie, hochgeehrter Herr und Freund, erwägen, dassLessing während eines grossen Theils seines Lebens der ver-trauteste Freund meines Vaters war, und von diesem innigstgeliebt und wahrhaft verehrt worden, dass Lessing den Nathan,die Emilia Galotti, die Erziehung des Menschengeschlechts,den Laokoon, die Dramaturgie (welcher Deutschland mehrschuldig geworden als allen seitdem geschriebenen Theater-kritiken und Feuilletons zusammengenommen, nämlich dieIvenntniss Shakespeares) geschrieben, dass er ohne Widerredeein profunder Gelehrter war, dass fast aus jeder Zeile insemem Werke der klarste Verstand, mit dem tiefsten Gemüthvereinigt, hervorgeht, so werden Sie es um so freundlicherentschuldigen, dass ich gestern seine Vertheidigung vielleichtetwas zu lebhaft gegen Sie geführt habe. Ich war überrascht,ich kann es nicht leugnen, Sie, den ich so oft mit der wärmstenVerehrung von Lessing und seinen Werken, besonders vomNathan, und ganz besonders von der daraus hervorleuchtendenGesinnung sprechen gehört habe, nun eben diesen Mann, derdie Wahrheit so hoch verehrte, dass er sie für Gott alleingeeignet glaubte, und für sich nur das Streben danach, kurz,diese Sonne, in welcher man durch schwarzgefärbte Gläserwohl Flecken auffinden kann, mit Leuten zusammenstellen zuhören, welche bis jetzt nur Flecken gezeigt haben, hinterdenen allerdings Niemandem versagt ist, eine Sonne zu ahnen.Ich hätte mir indess sagen sollen, dass nur eine augenblicklicheStimmung Sie zu dieser Verunglimpfung Lessings hinzureissenvermochte, und dass eine solche durch den Widerspruch einesLaien sich nur noch mehr aufgeregt fühlen musste. Mehrere