Französisches Theater.
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Paris, 20. April.
— — Damit Du aber nicht ferner zürnest, will ich Dirgleich erzählen, dass wir gestern Abend im Feydeau warenund den letzten Akt einer Oper von Catel, l'aubergiste, undLeocadie von Auber sahen. Das Theater ist geräumig, freund-lich und hübsch. Das Orchester ist recht gut. Wenn auchdie Geigen nicht so vortrefflich sind, wie die der Opera buffa,so sind doch die Bässe und Blaseinstrumente, auch das Ensemblebesser als da. Auch wird in der Mitte dirigirt. Die Sängerund Sängerinnen singen ohne Stimme, doch nicht übel, spielenlebhaft und schnell, und so geht das Ganze recht gut zusam-men. Aber nun die Hauptsache, die Komposition! von der er-sten Oper will ich nicht sprechen, denn ich hörte nur dieHälfte und die war zwar matt und kraftlos, aber doch nichtohne hübsche, leichte Melodie. Aber die berühmte Leocadievom berühmten Auber! So was Erbärmliches kannst Du Dirgarnicht vorstellen. Das Sujet ist aus einer schlechten Novellevon Cervantes schlecht zu einer Oper umgearbeitet und ichhätte nicht geglaubt, dass so ein gemeines, unziemliches Stücksich auf dem Theater der Franzosen, die doch sehr fernes Ge-fühl und richtigen Takt haben, nicht nur halten, sondern so-gar gefallen könnte. Zu dieser Novelle aus Cervantes' roher,wilder Periode hat Auber eine zahme Musik gemacht, dass esein Jammer ist. Ich spreche nicht davon, dass kein Feuer,keine Masse, kern Leben, keine Originalität in der Oper zufinden, dass sie aus Keminiscenzen abwechselnd aus Cherubiniund Rossini zusammengeklebt ist; ich spreche nicht davon,dass nicht der geringste Ernst, nicht ein Fiinkclien Leidenschaftdrin ist; nicht davon, dass in den entscheidenden Augenblickendie Sänger Gurgeleien und Trillerchen und Passagen machenmüssen; aber instrumentir en, was jetzt so leicht gewordenist, da die Partituren von Haydn, Mozart, Beethoven verbrei-tet sind, instrumentiren sollte doch wenigstens der Lieblingdes Publikums, der Schüler Cherubini's, ein Mann mit grauenHaaren, können. Auch das nicht. Denke Dir, dass in derganzen, an Musikstücken reichen Oper vielleicht drei sind, indenen die kleine Flöte nicht die Hauptrolle spielt. Die Ouv.er-
Die Familie Mendelssohn. T. 10