106 Abraham Mendelssohn Bartholdy.
hatte; ans dieser .Zeit sind die früher mitgetheilten Briefe anFanny; endlich im Herbst 1820 kehrte er zurück. In demBrief, den ihm Henriette mitgab, heisst es:
„ Liebste Lea, da haben Sie ihren lieben, edlen -Mann wie-der, und zwar recht wie Sie ihn wünschen, mit einer Dosisübler Laune gegen das neueste Frankreich; ob Berlin sehrbei dieser Veränderung gewonnen, weiss ich nicht, aber er ver-gisst es doch nie, dass da sein schönstes Glück blühte und zuden herrlichsten Früchten reifte, dafür entbehrt er schon gerneinige materielle, die dort nicht reifen, besonders wenn er Sie,wie jetzt geschieht, zu einer Weinlese am Rhein bewegenkann." ■—
Dass das Frankreich vom Jahr 1820 auf den freisinnigen,fast republikanischen Mann, namentlich unter seinen persönlichunbehaglichen Verhältnissen, einen äusserst ungünstigen Ein-druck machte, ist wohl sehr erklärlich. Indess lässt sich an-nehmen, dass der pecuniaire Erfolg der Reise ein sehr guterwar, und so konnte schon ein nicht ganz angenehmes Jahr inden Kauf genommen werden, umsomehr als das nun folgendeJahrzehnt von 1820—1830 sich zu einem ungetrübt glückli-chen gestaltete.
Im Herbst 1821 wagte Felix den ersten Ausflug aus demelterlichen Hause und reiste mit Zelter, dem vertrauten Freunde,nach Weimar, wo er 14 Tage im Göthe'schen Hause wolmte.Kurz vor seiner Abreise hatte er angefangen, sich im Phan-tasmen zu üben, und phantasirte in Weimar in GegenwartGöthe's, Hummers, vieler Künstler und des Hofes. Es mögeneinige Stellen aus den Briefen folgen, die der damals 11 jährigeFelix an die Eltern schrieb:
Weimar, den 6. November 1821.
„— — Jetzt hört Alle, Alle zu. Heut ist Dienstag.Sonntag kam die Sonne von Weimar, Göthe, an. Am Morgengingen wir in die Kirche, wo der 100. Psalm von Händelhalb gegeben wurde. Die Orgel ist gross und doch schwach,die Marien-Orgel ist, obwohl klein, doch viel mächtiger. Diehiesige hat 50 Register, 44 Stimmen und lmal 32 Fuss. Nach-her schrieb ich Euch den kleinen Brief vom 4. und ging nach