Druckschrift 
1 (1880) 1729 - 1835
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Abraham Mendelssohn Bartholdy.

kommen. Die Reise ist ja so klein, und ihre Grossmutterwürde wenigstens einen .Gegenstand ihres Interesses hier finden die Gräfin Genlis, von der sie unglaublich eingenommenist. Die Genlis wohnt nah an un'serm Garten, wir sehen sietäglich, und es gäbe schon einen hübschen Vereinigungspunkt!Welchen Enthusiasmus für Sophie hat mir meine liebe Henrietteeingeflösst! Sie war vor Bewunderung, Freude und Rührungausser sich, wenn sie von ihr erzählte, und gewiss war dieseLiebe kerne blinde, mädchenhafte Zuneigung, sondern dieklarste Ueberzeugung einer schönen Natur, eines herrlichenCharakters und veredelten Verstandes. Sie müssen mir recht,recht viel von ihr erzählen, ich bitte, ich beschwöre Sie darum.Ich kann Ihnen das Interesse für sie nicht lebhaft genugschildern, und wenn Sie sie kennen, tlieilen Sie gewiss meineanbetungsvolle Schwärmerei.

Arland hat mir geschrieben, und viel Griisse für Sie auf-getragen. Er lebt jetzt in Freienwalde, gebraucht dort dieBäder und scheint jetzt im Genuss der schönen Natur sichrecht sehr zu erholen. Sein Leben, so ganz voll Entbehrungen,eine Kette von kindlichen Pflichten und immerwährendenOpfern ist wahrlich ehrwürdig und musterhaft. Eine Auf-wallung von Stärke und Grossmuth flammt wohl einmal injeder Brust: aber Ausdauer, fortgesetzte Anstrengung, die derEnthusiasmus erzeugt und feste Beharrlichkeit ausführt, ist; selten und gross. Ach wie gerne gäbe ich ihm jetzt die Mittel,ein schöneres Leben nach eigenem Sinn zu heginnen!"

Dieses Mädchen scheint Ahraham Mendelssohn auf einerReise von Paris in Berlin kennen und lieben gelernt zuhaben. Er stellte zuerst die Bedingung, dass sie mit ihmin Paris leben sollte, da er Berlin nicht leiden konnte, währenddie Mutter des Mädchens ihre Tochter nicht einemCommis"geben wollte. Henriette schreibt darüber an ihren Bruder:Wie gern ich Derne Hoffnung eines glücklichen Erfolgs tlieilenmöchte, sage ich Dir nicht, aber gestehen muss ich Dir, dasses mir fast unmöglich scheint, dass es Dir unter Deiner Be-dingung gelinge. Und doch Lieber! wäre diese Heirath ein so