Lea Salomon.
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Ueberhaupt wäre mir's viel lieber gewesen, statt Ihreracht französischen galanten Pointe eine redliche deutscheAuskunft über Ihr zu schreibendes Buch zu erhalten. Sachensind mir mehr wertli als Phrasen, und wenn es Ihnen denneinmal um Schmeichelei zu thun ist, so will ich Ihnen gut-nmtliig mein Genre sagen : Es ist die Sprache der mittheilendenHerzlichkeit, der vertraulichen Güte, jener herablassendenBelehrung, mit der ein denkender Kopf geringfügige Sterblichemit seinen Plänen und Ideen bekannt zu machen würdigt, —■ce niest pas le ton des aimables riens, des fleurettes spirituelles,des tournures ingeni&uses. Ich habe Ihnen das so französisch.sagen müssen, weil ich's dem angemessener finde, und weilmir immer parisisch zu Muthe wird, wenn ich an übertriebeneKomplimente denke.
Da ich einmal im Zanken bin, so will ich Ihnen geschwindeinen Vorwurf über Ihren geheimnissvollen Argwohn machen.Ich bin eben recht begierig etwas Näheres über Kotzebue zulesen, — da ziehen Sie das angefangene Wort schnell zurück,mit dem bösen Zusätze „halt, Sie haben mir meine Bitte wegender Nichtmittlieilung meiner Briefe nicht beantwortet." — Sowissen Sie denn, mein gar ängstlicher Herr! dass ich von vielenDingen nicht spreche, weil sie sich von selbst verstehen. KlugeLeute errathen das Meiste; und wenn alles trügt, so täuschtdoch wenigstens der Charakter der Frauenzimmer darin nicht,dass ihnen der Schein der Indiscretion und Plaudersucht soganz obenauf schwimmt, und diese Gabe sich am wenigstenverbirgt. Wie es Ihnen also entging, dass ich die Ver-schwiegenheit selbst bin, begreife ich nicht, und beinah möchteich's für eine Ihrer Bosheiten halten, mich nur zu einemGeständnisse zu zwingen, bei dem meine liebenswürdige, holderrötliende Bescheidenheit so sehr ins Gedränge kommt. GlaubenSie übrigens nicht, dass ich in Ihr Geheinmiss dringen, will:ich habe nie um Ihr Verhältniss zu Kotzebue, sondern um•Ihr Urtheil über ihn gefragt, und dies ist bei meinerOffenheit immer so freimüthig, dass ich ohne Unbescheidenlieitmir Ihre Meinung erbitten zu können glaubte.
Der arme Pölchau! Vous l'avex bien arrange! — doch
Die Familie Mendelssohn. I. 6