Druckschrift 
1 (1880) 1729 - 1835
Entstehung
Seite
78
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78 Abraham Mendelssohn Bartholdj'.

Strenge, Witz und Scharfsinn neben meinem freundlichen Wohl-wollen recht nützlich wäre.

Sehen Sie Ivotzebue, und wie gefällt er Ihnen? Mir ister als guter Bekannter meiner Freundin Henriette wohl inter-essant, und ich möchte gern etwas von dem Menschen wissen,obgleich der Schriftsteller in ihm mir sehr gleichgültig ist.Wie lebt denn überhaupt die ganze Heerde Schaar wollteich sagen der Autoren in Weimar? Friedlich oder kriegerisch?denn das müssen Sie ehrlich eingestehen, dass Sie alle, HerrenGelehrten! ein gar unverträgliches, wunderliches Völkchen sind! Bitte meine Freimüthigkeit zu entschuldigen. WelcherGegenstand beschäftigt denn Ihre Feder jetzt? Tiefe Politik,ernste Geschichte, tändelnde Liebe? Huldigen Sie der feier-licheren Muse oder den lächelnden Grazien und Liebesgötterchen?Und haben Sie den entsetzlichen Plan aufgegeben, über dieJuden zu schreiben? Sagen Sie mir nur, welch ein Gott oderwelche Göttin könnte bei diesem Sujet 'präsidiren? Meinerkleinen Kenntniss der Mythologie und der Bewohner des Parnass,Helikon und Pindus nach, giebts keinen einzigen. Sie glaubenwohl, alle Ihre bisherigen Werke ohne den Einfluss solcherhöheren Mächte verfertigt zu haben? doch trauen sie dem Worteiner Uneingeweihten! Unsichtbar und unbemerkt hat Sie bis-her der herrliche Gott der Begeisterung umschwebt, hüten Siesich, Ihren stillen Schutzgeist zu verscheuchen!

Nun darf ich wirklich Ihre Geduld nicht länger ermüden!Also geschwind nur noch viel herzliche Griisse von allen denMeinigen (die Aristokraten ausgeschlossen, beruhigen Sie sich!)und die demütliige vielleicht zu gewagte Bitte um grossmüthige,baldige Antwort. Lea Salomon.

Berlin, 26. August 1199.

Wie gut war es, dass mein Brief Sie in so schönerGesellschaft und an einem so reizenden Aufenthalte traf! Erstörte Sie nicht im Genuss des angenehmen Gesprächs undder lieblichen Natur; einige der wohltliätigen Eindrücke folgtenihm nur, als Sie ihn später in der Einsamkeit lasen, und ver-schafften ihm eine günstige Aufnahme. Warum kann ich diesem