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Henriette Mendelssohn.
und Avignon, wo wir die Fontaine de Vaucluse — nicht ge-sehen, nach Paris zurück, wo wir nun leider! den Rest desSommers ausharren müssen." —
Nun aber nahte eine wirklich tragische Epoche für dieArme: Fanny Sebastiani, eine sehr reiche Erbin, kam in dasheirathsfähige Alter, und ihre treue Erzieherin, die Jahre undJahre mit liebender Sorgfalt Mutterstelle an ihr vertreten,sollte erkennen, dass es schliesslich doch nur eine Rolle ge-wesen, die sie dort hatte spielen müssen. Jene Worte: „Ichsehe die grosse Welt mit ihren verderblichen Forderungen undVersprechungen wie eine gewaltige Schneelawine näher kommen,und Alles mühsam erreichte und gepflanzte in einem Momentzerstören" — sie fingen an, wahr zu werden; ihre letzte, schreck-liche und buchstäbliche Erfüllung hat sie glücklicher Weisenicht mehr erlebt.
Am 11. Mai 1824 schreibt sie an ihren Bruder Abraham:„Erinnerst Du Dich wohl lieber Bruder des Tages bei Deinemletzten Aufenthalte in Paris — wo Du mir Dein Manneswortgabst, dass, sobald ich die Aufforderung an Dich ergehen lassenwürde, Du mir mit Rath und Tliat beistehen, ja selbst kommenwürdest, wenn es Noth thäte? Ich fordere Dich noch nichtauf, Dein Wort zu erfüllen, obgleich eine sehr grosse Verän-derung meiner Lage mir sehr nahe war, aber meine Freude,Euch alle hier zu sehn, wäre um so reiner und grösser. —Was ich mit allem diesen sagen will, ist folgendes: Unterzehn Freiern, die sich seit der Rückkunft des Generals ausCorsica (vor etwa zwei Monaten) um Fanny's Hand bewarben,war es nahe, sehr nahe daran, dass der Vater den glänzendstenund — schlechtesten gewählt hätte. Wie aber hier in grossenFamilien eine solche Unterhandlung betrieben wird, vor dieserErfahrung hat Euch Gott behütet. Es war eine sehr schlimmeZeit, bei der mir die Gegenwart unsres Bruders*) ein wahrerTrost war! Von dieser Heirath ist nun die Rede nicht mehr,aber in wenigen Monaten soll hoffentlich eine andere zu Standekommen, von welcher für meine arme Fanny so viel Gutes
*) Joseph.