Druckschrift 
1 (1880) 1729 - 1835
Entstehung
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Henriette Mendelssohn.

Beckchen*) zu denken, das Klavier erinnert mich an denherrlichen Genuss, den die Kinder verschaffen würden, undder Mangel an vernünftiger, geistreicher Unterhaltung lässtmich die Eltern doppelt vermissen. Fanny hat eine guteStimme, aber Gott weiss, sie singt im Scliweisse meines An-gesichts, denn sie ist von Grund aus unmusikalisch, und zu-gleich so träge und ungeduldig, dass es einem recht gutenitalienischen Singlehrer, den ich ihr gegeben, nicht gelingenwürde, etwas aus ihr zu bilden, wenn ich nicht durch ewig-wiederholtes Bemühen nachhülfe."

War jene Havrereise mit ihrem Bruder eine wirklicheErfrischung gewesen, so kann man dies weniger sagen voneiner im Jahre 1823 mit General Sebastiani und Fanny unter-nommenen nach der Provence:

Freunde und Badegäste bedauerten uns, eben in derheissesten Jahreszeit eine Reise nach dem brennenden Südenzu unternehmen, und diejenigen, welche das Land und meineNeigung für schattige Spaziergänge, stille Ruheplätze, undreine, milde Luft kannten, machten mich ganz bange durchBeschreibungen, die jenen Thümmelschen sehr unähnlich waren;desto ähnlicher waren sie aber der Provence, die ich nun,freilich zur ungünstigsten Zeit gesehen. Noch hat mir von denLändern, die ich kennen gelernt, keines so missfallen als dieseProvence mit ihren traurigen Oliven Wäldern, entlaubten Maul-heerbäumen, die einem die nackten Zweige entgegenstrecken,seinen kahlen Felsen, und dem verdorrten Boden, auf welchendie Granathecken wie zur Strafe hingebannt scheinen. WährendSie nun auf diesem staubigen Boden fortrollen und das un-erfrisclite Auge vor der brennenden Sonne verscliliessen, wirdIhr Ohr unaufhörlich durch das betäubende Geschrei riesenhafterHeuschrecken beleidigt, die auf beiden Seiten der Heerstrasseihr Wesen treiben, imd mich, als wäre es eine vermehrteAuflage der pharaonischen Plage recht eigentlich zur Ver-zweiflung brachten. So ging es bis zum Pont du Gard vorNimes. Hier meine Liebe bin ich geneigt, den St. Preux zu

*) Rebecka, die zweite Tochter Abraham Mendelssohns.