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Dorothea Mendelssohn.
Bescheidenheit und ebenso durch die unverwüstliche Heiterkeitihres Gemüths. Von weichlicher Sentimentalität keine Spur.Ihre Briefe, die früheren zumal, zeigen neben echt weiblichemGefühl einen Schatz munterer Laune, der ihr nie versagt undden sie in allerlei Scbalkheit, in unschuldigen Neckereien, zu-weilen auch in recht schnippischen Wendungen an den Mannbringt. Es muss hart kommen, wie es denn in späterer Zeithart genug kam, wenn sie bitter und leidenschaftlich werdensoll; dann meint man wohl zu sehen, wie sie die Nase rümpftund die Lippen aufwirft und es steht ihr das keineswegs gut;aber der hässliche Zug ist auch rasch wieder verschwunden,die Eegel ist, dass sie, um ihre eignen Worte zu brauchen,„auch unter Thränen sich des Lachens nicht enthalten kann,wo es nur irgend etwas Lachenswerthes giebt." Gewiss, siethut sich selbst Unrecht, wenn sie einmal alles MisslingenFriedrich's als ihr eigenes Verschulden auffasst, und dabei vonder Disharmonie spricht, die mit ihr geboren worden und diesie nie verlassen werde. Es war keine andere Disharmoniein ihr, als die, welche ein Weib wohl zuweilen beunruhigenmag, dass ihr Gefühl sich fortwährend mit einem männlichklaren Verstände abzufinden gezwungen war. Sie war dieechte Tochter Moses Mendelssohn's. Ihre Offenheit und Wahr-haftigkeit, ihr gesundes Urtheil, ihr praktischer Blick, zusammenmit ihren sonstigen trefflichen Eigenschaften, machte sie Männernwie Fichte und Schleiermacher werth. Es ist gar merkwürdig,wie ihr strebender Geist sie mit der Gedankenwelt und denEinbildungen der Eomantiker verwickelte und wie sie zwischen-durch doch für die unromantische Wirklichkeit, bis auf dasOekonomische herab, einen unbestochenen Sinn sich bewahrte.Gelegentlich kömmt eine Ahnung über sie, dass all' die ästlietiscli-litterarischen Wichtigkeiten, die sie als Verehrerin Friedrich'seben auch wichtig nehmen muss, im Grunde blosse Nichtig-keiten seien. Sie möchte so gern in Friedrich einen Künstlersehen, aber recht lieb würde er ihr erst sein, wenn er sich alstüchtiger Bürger in einem echten Staate hervorthäte; dasganze Wesen und Wollen ihrer revolutionären Freunde scheintihr zum Litterarischen, zur Kritik und „alle dem Zeuge" wie