Philosophische Bedeutung.
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Erdmann: „Der Hauptunterschied zwischen Mendelssohn undBaumgarten oder jedem anderen Metaphysiken alten Schlagesbetrifft die Art des Pliilosophirens. Nicht nur Deutsch, son-dern ein gebildetes, schönes Deutsch will er angewandt haben;Plato ist ihm ein so grosser Philosoph, viel weniger des In-halts seiner Lehre wegen, als wegen semer glänzenden Dar-stellung. Nicht streng philosophisches Verfahren, sondern dieForm der gebildeten Conversation ist sein Ideal. Darum dieBrief- oder Gesprächsform, in welche er auch dort gern ver-fällt, wo ursprünglich eine andere gewählt war. So sehr erdarum auf bestimmte Begriffe dringt, und so sehr er es be-dauert, dass die Nachahmung der Franzosen es dahin gebrachthabe, dass man nur für Damen schreibe und die solide Wissen-schaft vernachlässige, so lässt er doch gern merken, dass erkein auf Universitäten gebildeter, gelehrter Magister sei, weistsich ehre Mittelstellung zwischen Metaphysiken und schönemGeiste an, und schreibt weder für eine bestimmte, noch über-haupt für eine Schule, sondern für die Welt. Worüber? Keineinziger der Gegenstände, von denen oben gesagt war, dasssie allem für diese Philosophen Interesse haben, ist von ihmvernachlässigt worden, und schon wegen dieser Vollständig-keit nimmt er unter diesen Philosophen der fernen Welt eineso hohe Stelle ein, ganz abgesehen davon, dass er es vor allengewesen ist, der (wie Protagoras unter den Sophisten) stetsin Erinnerung gebracht hat, worum sicli's eigentlich handelt:den Menschen." —
Mendelssohn's äusseres Lebensgeschick haben wir zu be-trachten aufgehört, als er in die Bernhard'selie Seidenfabrik alsBuchhalter eingetreten war. Diese kaufmännische Beschäfti-gung — er leitete später die Fabrik ganz selbstständig undwurde nach Bernhard's Tode Mittheilliaber des Geschäfts —war ihm oft unangenehm und störend, wenn er irgend einenwissenschaftlichen Gegenstand im Kopf hatte, und seine Briefesind voller Klagen darüber: „Ich höre den langen Tag sovielunnützes Geschwätz, ich sehe und tliue soviel gedankenlose, er-müdende, dummmachende Dinge, dass es keine geringe Wolil-tliat für mich ist, wenn ich mich des Abends mit einem ver-