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Moses Mendelssohn.
friedliebend wie er war, nie ausgesprochen, wenigstens nichtöffentlich. Seine Ansichten waren indess, wie es hei seinersonstigen Denkungsweise auch natürlich ist, entschieden frei-sinnige.
Die letzten Jahre seines Lehens wurden durch einen fürihn sehr unerquicklichen Streit über Lessing's philosophischeAnsichten ausgefüllt. Aber seihst aus solchen Giftblumen wussteer Honig zu ziehen; die „Morgenstunden" verdanken dieserControverse ihre Entstehung. Wie „Jerusalem" das politisch-religiöse, so sind sie das philosophische Testament Mendels-solin's. Sie hatten zugleich einen liebenswürdigen Nebenzweck:sie waren ziu* Belehrung seiner Kinder, namentlich Josepli's,des Aeltesten, und einer Reihe junger Leute „von schätzbarenGeistesgaben und noch besseren Herzen" bestimmt, die sichtäglich um ihn versammelten.*)
Was Mendelssohn's specielle philosophische Thätigkeit be-trifft, so ist unläugbar, dass er zu den balmbrechenden, grossenPhilosophen nicht gehört hat. Erdmann in seinem „Grundrissder Geschichte der Philosophie" bestimmt seine Stellung folgen -dermassen, indem er im § 293 von ihm und einem Kreisegleichstehender Männer sagt: — —■ „schliesst dieser Mangelan Selbstverständniss sie freilich aus der Zahl der grossenPhilosophen aus, so verhindert er sie doch nicht, eine be-deutende Wirkung zu zeigen. Ja, wenn sie die Energie undZeit, die zu einer solchen Vertiefung in sich selbst nötliiggewesen wäre, dazu anwenden, den Grundgedanken, der alsein Gefühl und als Instinkt sie beseelt, in allen Gebieten desLebens herrschend zu machen, so kann der Erfolg ihres Wirkens,weil er in die Breite geht, grösser erscheinen, als wenn siePhilosophen ersten Ranges gewesen wären. Die Sophisten,der römische Synkretismus und die Philosophie der Renaissancehaben gezeigt, dass es Zeiten giebt, wo es für die Philosophienicht sowohl auf einen neuen bedeutenden Schritt ankommt,
*) In der ersten Auflage waren hier die beiden Humboldtsgenannt. Es beruhte diese Angabe auf einer wohl ungenauen,mündlichen Tradition.