Bildungsgang. Litteraturbriefe.
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nationalen Schranken, ein Aufgehn in einem luftigen, jeder realenBasis entbehrenden Weltbürgerthum: wie viele ideal angelegteNaturen sind vor und nach ihm hieran zu Grunde gegangen!— Zwischen diesem Extrem und dem andern, gleich gefährlichen,eines gänzlichen Ignorirens aller höheren, idealen Zwecke, einesYerspinnens in die gewöhnlichste Alltäglichkeit, eines Herab-sinkens zum blossen Gemeinde-Individuum hat sich Mendelssolm'staktvolle, harmonische Natur einen ebenso glücklichen, alsgrossartigen Standpunkt gewählt, einen Standpunkt, der weitüber die Anschauungen seiner Zeit hinaus war, den deutschen.Unbeirrt durch das glänzende, aber hohle Phantom des Kos-mopolitismus , nicht bestochen durch die konkrete Kraft desjungen, damals das abgestorbene Deutschland in Stücke schlagen-den Preussen, ging er bis zur äussersten, mit praktischer Wirk-samkeit zu vereinbarenden Grenze vor, zum Deutschthum; erstellte sich als deutscher Jude öffentlich hin, somit alsVorbild dessen, was seine Glaubensgenossen zu erstreben hätten.Als Deutschen durch Arbeiten an der „Bibliothek der schönenWissenschaften und der freien Künste" und namentlich an den„Litteraturbriefen", als Jude durch den berühmten „Lavater-streit".
Die Litteraturbriefe wurden angeregt durch Nikolai; dieSeele derselben aber waren Lessing und Mendelssohn; sie gabenihnen den klassischen, ausgeprägten Charakter der rücksichts-losen, nur die Sache im Auge behaltenden Kritik. Die damalsgrassirende Anbetung und Nachäfferei des Französischen wurdeohne Schonung angegriffen und die Grundsteine einer deutschennationalen Litteratur gelegt. Die Litteraturbriefe waren dieVorboten der hamburgischen Dramaturgie, der WirksamkeitScliiller's und Goetlie's. Von der Unerschrockehheit, mit derMendelssohn in den „Briefen" auftrat, giebt den besten Beweisdie Recension der Poe'sies diverses Friedrich's des Grossen, indenen der kaum in Berlin geduldete Jude den grossen Königtadelt, unter Aufstellung des Grundsatzes, wer als Autor auf-trete, müsse sich auch der Kritik unterwerfen. Er hält demKönig die Verachtung der deutschen Sprache und den Gebrauchder französischen tadelnd vor. Diese Angelegenheit hätte