16. Jahrhundert.
ren um ein geringeres kürzer; sie wurden auf mehr als 30,000 fl.geschätzt. Schon hatten sie von den Wällen zu Sachsenhauscn denFeind begrüßt, als ein Diener des Landgrafen Wilhelm demObersten meldete: sein gnädiger Herr, der Landgraf, habe von sei-nem Ohm, dem Kurfürsten von der Pfalz, etliche Stück ge-liehen, und am Main zurück gelassen; dieses Geschütz möchten siein Frankfurt aufnehmen und wohl bewahren, sich dessen gegenihren Feind, den Markgrafen bedienen, und nachher dem Kurfürstentreulich wieder zustellen. Der Oberst cntgegnete: der Landgraf hättedieser Sorgen nicht bedurft; die Stücke seyen da, wo sie hin ge-hörten.
Am 6. Aug. sollte ein Ausfall von den Belagerten unter-nommen werden, der aber wegen Ankunft eines Trompeters, welcherBriefe brachte, unterblieb.
Am 8. kam abermals ein Trompeter von Seiten des Mark-grafen, welcher von der Stadt verlangte, daß sie seine bisher ge-habten Unkosten bezahle, dann wolle er abziehen; er wurde aberohne Antwort abgefertigt, und der Markgraf litt noch manchenSchaden an Menschen und Pferden. An demselben Tag trafein Schreiben des Kaisers von Ulm an den Obersten ein, fried-lichen Inhalts, und daß der Kaiser aus dem Wege sey, dieStadt zu entsetzen. Am Mittag nahm auf des Obersten Befehlein Geschwader Besitz vom Lagerplatz, der Oberst ließ das Geschützvom Walle abziehen, während die Belagerer ihre Stücke abfeuernund sich zum Abzug fertig machten. In der Nacht wurde dasLager abgebrochen und angesteckt. In 24 Tagen, so lange dieBelagerung gedauert, hatte man nicht die Glocken geläutet, obgleichtäglich gepredigt wurde. Am Laurentius-Tag, 10. Aug., fing manwieder an zu läuten, und am Mittag schlugen die Uhren wieder,was in der Stadt eine große Freude verursachte. Der Oberst ver-sammelte seine Reisigen, um dem Feinde auf dem linken Mainufernachzustreifen, wo dann viele Karren mit Speck, Spezereien, Lederund Tuch erbeutet wurden, und eine Menge Gefangene in dieHände der Kaiserlichen fielen.
Aber es mehrten sich auch täglich die Klagen des Raths undder Bürger gegen den Befehlshaber und die Besatzung. Der Rath
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