Lief. 3. # XXIX "
(der Türkische Kaiser.)
Item ale Jar so der türgisch Kaiser sin Geburttag hett, bringt man ain gros tuch an ainer stang.uf ainer siten (stehn verzeichnet) al sin gewunnen land, vnd kerend daz tuch vm, vnd lond jnn daz (ander)tail sechen, daz laer stat, daz er Krieg (mache) vnd me gewune, daz daz ander tail och vol Kronen werd.
Nicht am Geburtstage, sondern am Jahrestage der Thronbesteigung pflegte den türkischen Kaiserneine solche Fahne vorgeführt zu werden. Das Jahr 1453 hatte dem Byzantinischen Reiche, der fast200jährigen Regierung der Paläologen, durch die Eroberung Constantinopels ein Ende gemacht. Zu Grünen-berg's Zeiten war dieses folgenschwere Ereigniss noch in frischem Andenken. Der Sieger Mahommed IIwar 1481 zu Nicaea gestorben, der schwache Bajazid VI war ihm auf dem Throne gefolgt.
Wolffb. C. „das Keisertum Kung Soldan" vgl. oben.
Lief. 3. XLV.
Der hochgeborn Erzherczog von Osterrich etc.
Rudolph IV, Schwiegersohn Kaiser Carls IV, führt bereits auf seinem münzartigen Siegel den Titel:„Archimagister venatorum", des heiligen Römischen Reichs Oberstjägermeister, „Palatinus Archidux", Pfalz-Erzherzog von Österreich, Steyermark, Kärnthen, Schwaben und Elsass, Herr zu Krain, zu Pottenau und aufder windischen Mark (geboren i. J. des Herrn 1339). Die Hauptseite des Siegels stellt den Erzherzog imHarnisch mit Fürstenmantel und Krone, Schwert und Zepter, unter einem Baldachin stehend, dar. — DieRückseite zeigt den Erzherzog zu Ross. Der Helm hat eine königliche Zinkenkrone und einen Pfauenschweif.Der Schild hat den Österreichischen weissen Querbalken im rothen Felde. Die Fahne den flammenspeiendensteyerischen Panther. Das Streitross trägt an der Stirne ein Kreuz und den aus einem Kronreifen hervor-schauenden Adler. Auf der Pferdedecke liegen die Schilde von Schwaben, Habsburg und Pfyrt. Am äussernSiegelrande steht die Inschrift:
„Imperii scutum ferturque cor Austria tutum. Primus Fridericus testatur Caesar Augustus. illud scriptum
quam roborat aurea bulla".
Das Siegel ist mit Adlern besäet. Auf der Hauptseite (dem Fusssiegel) erscheint der ÖsterreichischeSchild mit den fünf Adlern, welche Lazius Lerchen genannt hat. Diese fünf Adler stellen aber die fünfgrossen Reichslehen, die fünf Herzogthümer Österreichs, den untheilbaren Complex des Pfalz-Erzherzog-thums dar.
Auch Rudolphs Wahlspruch steht auf dem Siegel. Er hiess:
„hoc est verum".
Sig.'v. Bircken, Spiegel der Ehren des Hauses Oesterreich S. 345. sagt, dass Rudolph IV unterdie Briefe nicht seinen Namen, sondern diesen Wahlspruch zu schreiben pflegte.
Grünenberg hat auf dem vorliegenden Blatte das Wappen Österreichs dargestellt, wie es zu seinerZeit (von dem spätem Kaiser Maximilian I) geführt wurde.
Die Helme, welche um den vielfeldigen, mit dem Erzherzoglichen Hute bedeckten Wappenschildher aufgestellt sind und demselben entsprechen, werden folgendermassen aufgezählt:
1) Alt-Österrich. 2) New-Österrich. 3) Herczog von Krain. 4) Herczog von Steir. 5) Herczogvon Kernten. 6) Grauff von Thyrol. 7) Landgrauf in Elsaes. 8) Margrauff von Burgow. 9) Grauff vonHapspurg. 10) Das Land ob der Enss. 11) Grauff von Kyburg. 12) Die windisch mark. 13) Portenaw.14) Grauff von Pfiert.
Den Schild umschlingt die Kette des 1429 von Philipp Herzog von Burgund gestifteten, 1478 andas Haus Österreich vererbten Ordens vom goldnen Vliesse.
Das Ordenskleinod ist bei Grünenberg ein von Flammen umgebenes Lamm, vergoldet und inliegender Stellung. Ähnlich wie im Kreuzgange des Klosters Himmelcron die gleichzeitige Darstellung desgoldnen Vliesses unter den Gesellschaftszeichen, welche Johann der Alchymist und Kurfürst Albrecht Achillesvon Brandenburg getragen haben, vgl. Stillfried, Hohenz. Alterthümer Thl. II. Neue Folge.
Die „Ordentliche Beschreibung" vom Orden des „guldin Fliess" Dilingen, Joh. Mayer 1587, weissnichts von dergl. abweichenden, älteren Ordenszeichen.
Interessant sind die Abbildungen der einzelnen Schilde und Helme des Österreichischen Wappens
V_v
XVIII