Druckschrift 
[Text] (1875)
Entstehung
Seite
IX
Einzelbild herunterladen
 

r

Anmerkungen.

"\^h- glauben dem Wunsche manches Kunstfreundes, welchem Grunenbergs Wappenbuch Interesseeinflösst, entgegenzukommen, wenn wir den einzelnen Lieferungen einige Anmerkungen beifügen, welchetheils Schrift und Sprache des Originals verständlicher zu machen, theils die Anschauungsweise des fünf-zehnten Jahrhunderts zu erklären und zeitgemässe Irrthümer zu berichtigen suchen sollen, ohne dabei demviel erfahrenen, reich begabten Autor zu nahe zu treten, oder dessen Eigenartigkeit zu beeinträchtigen undabzuschwächen. Vergleiche mit andern älteren, bereits gedruckten, weit verbreiteten Wappenbüchern, z. B. mit

1) der Züricher Wappenrolle des 14. Jahrhunderts, Zürich 1860, im Text abgekürzt: Zür. WR.

2) dem Concilium-Buch von Constanz, Augsburg, Ant. Sorg 1483, im Text abgekürzt: Conc. B.

3) Virgilius Solis Wappenbüchlein, Kupferdruck, Nürnberg 1555, im Text abgekürzt: Virg. Solis.

4) Martin Schrott, Wappenb., München 1581.

5) Siebmachers Wappenbuch, Nürnberg 1605, neue Ausgabe, Raspe 1772.

dürften ebenfalls nicht unwillkommen sein, umsomehr, da das Urtheil eines gelehrten Kritikers in der Ein-leitung zu der Züricher Wappenrolle, Seite 10:dass C. Grünenbergs Wappenbuch nur die Wappen derin Constanz zur Zeit des Concils (14141420) versammelten Ritterschaft enthalte und erst der Original-Codex nämlich im Jahre 1483 gemalt sei," sich dem aufmerksamen Beschauer des vorliegendenWerkes nicht als zutreffend erweisen wird.

Grünenbergs Wappenbuch enthält um nur einen Hauptunterschied hervorzuheben, vongeistlic hen Wappen äusserst wenige, beschäftigt sich vielmehr ausschliessend mit weltlichen, vorzugs-weise mit den Wappen der Zeitgenossen des 15. Jahrhunderts, mit Wappen, welche ohne Ausnahmeimmer mit Helm schmuck versehen sind, während das Conciliumbuch zumeist nur geistlicheWappen und Genossenschaftszeichen zum Gegenstande seiner heraldischen Abbildungen gewähltund die mitgetheilten weltlichen Wappen durchgehends nicht mit Helmschmuck versehen hat.

Grünenbergs fleissige und umfangreiche Sammlung mit älteren ähnlichen Wappenhandschriften zuvergleichen, ist uns nur in wenigen Fällen möglich gewesen; doch haben wir gewissenhaft angemerkt, waswir z. B. aus dem Lütticher Wappencodex, vor 1379van den Sesken" verfasst und von uns im 18. Jahrgangedes Anzeigers für Kunde der deutschen Vorzeit (1871. No. 1. S. 31) besprochen, aus den Wernigeroder undWolffenbüttler Codices (Wem. C. und Wolffb. C.) haben erheben können.

Für Diejenigen, welche den in unserm Vorwort erwähnten, vor 36 Jahren veröffentlichten, vonDorst von Schatzberg bis 1846 fortgesetzten Versuch einer Herausgabe von Proben aus Grünenbergs Wappen-buch kennen, sei hier noch angeführt: dass wir früherhin das Prachtmanuscript der Münchener Bibliothek,den Pergamentcodex, vor uns hatten, weshalb bei jenem Versuch die Behandlung der Wappenmalerei(Wölbung der Schilde, Beleuchtung und Schattengebung) sehr erheblich von der hier, bei den Copien ausdem Original-Manuscript, dem Papiercodex, dem Handexemplar Grünenbergs, angewendeten Methode ab-weicht, während doch beide Handschriften in der Hauptsache, in der geistvollen Federzeichnung des Meisters,vollkommen übereinstimmen. Ein näherer Vergleich beider Handschriften, sowie Abbildung derjenigenBlätter, welche das Münchener Prachtmanuscript auszeichnen, soll hier nicht vergessen werden.

Ueber Turniergesellschaften und Ordenszeichen haben wir uns an geeigneter Stelle eingehend aus-gesprochen. Da, wo in der Originalhandschrift bei einzelnen Wappen angezeigt steht, zu welcher Ver-brüderung die betreffenden Familien sich gehalten haben, ist in unserm Text der Gesellschaftsnamc nebendem entsprechenden Geschlechtsnamen mit gesperrter Schrift beigedruckt worden.

Zu erwähnen ist noch, dass wir die Blätter sämmtlicher citirten Handschriften bezeichnen wie dieBlätter des Grünenberg, z. B. Blatt VI. erste Seite nur VI. nicht Via., dagegen die zweite Seite desselbenBlattes VIb. Man wolle diese Eigenthümlichkeit dem Autor zu Gute halten.

IX