Druckschrift 
[Text] (1875)
Entstehung
Seite
XI
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Lief. 6. Hüb.

Des Richs fler Kirchen.

1) Rom an der Tiffer. Rom an der Tiber. Dabei das Wappen der gekreuzten Schlüssel

von St. Peter.

2) Brem an der Deissel. Bremen an der Weser. Die Erzbischöfliche Kirche daselbst führte

aber im Wappen kein Nagelspitzkreuz.

3) Massow an der Weichsel. Masau, eine Landschaft in Polen, welche das alte Herzogthum

Masovien mit der Residenzstadt Warschau einschliesst.

4) Mecz an der Mussei. Metz an der Mosel in Lothringen (bis 1552 zu Deutschland gehörig).

Das Wappen der Stadt ist gespalten, von Silber und Schwarz, das Wappen des

Bisthums ein gekrönter schwarzer Löwe in Silber (vgl. Siebmacher I. 5. 12. und

Conc. B. CXXXII b ). Hier haben wir wahrscheinlich das Wappen des Dom-stifts vor uns.

Wenn die Grenzen des Reichs von Grünenberg an der Tiber, Weser, Weichsel und Mosel gesuchtwurden, so weicht dies freilich von den Grenzen, welche Carl der Grosse geschaffen hatte, Tiber, Ebro,Raab und Eyder, erheblich ab, aber er stellte, wie man sieht, das kirchliche Regiment über das weltlicheund erwartete mit frommer Zuversicht, oder mit schelmischer Neugier von der ecclesia militans unter demSchirme der geheimnissvollen und wunderkräftigen Vierzahl mehr, als die Waffen der Kaiserlichen Machtunter dem schwachen Friedrich auszurichten im Stande waren.

Mit der Dreizahl, Vierzahl, Siebenzahl, Achtzahl ist von uralten Zeiten her mancherlei Unfug ge-trieben jworden, und der Aberglaube hat fleissig dazu beigetragen, demselben Vorschub zu leisten. Da heisstes:Die gedritte Zahl ist eine vollkommene Zahl, da sie Anfang, Mittel und Ende hat". Ja die heiligeSchrift selber sagt es; denn:Drei Söhne hatte Noah, von denen das Menschengeschlecht ausging", GenesisVI. 10.Drei Männer erschienen dem Abraham", Gen. VIII. 17.Drei Tage und drei Nächte bliebJonas in des Wallfisches Bauche", Jon. II. 1., welches ein Bild ist jener drei Tage und drei Nächte, die Christushat im Tode bis zu seiner Auferstehung verharren sollen, Matth. XII. 40.Drei edle Stück von einemChristen sind, Glaube, Hoffnung und Liebe; aber die Liebe ist das grosseste unter ihnen". Cor. XIII. 13.Drei sind, welche da zeugen im Himmel, der Vater, das Wort, der heilige Geist; diese drei sind Eins". 1. Joh.V. 7. unddrei sind Zeugen auf Erden: der Geist, das Wasser und das Blut, und diese drei sind Eins".Ebenda 8.

Eine Wappenhandschrift des Germanischen Museums No. 6500., etwa um 1500 gemalt, bringt dieWappen der drei mildesten Fürsten:

König Magnus v Sweden, Herczog Lewpolt v Ostereich, Landgraff Herman v Turingen;ferner der drei gut Jüdin:

Hester, Jael, Jüdith

und der drei gut Christin:

St. Helena, St. Brigitta, St. Elisabeth.

Dann erst erscheint dort die Vierzahl, für welche unser Grünenberg ganz besonders schwärmt.Die Hauptsymbole der Vierzahl, die vier Elemente, die vier Tags- und Jahreszeiten, die vier Lebensalter,sind von ihm heraldisch nicht illustrirt worden; ja selbst der bekannten Embleme der vier Evangelisten ge-denkt er nicht, während er für Josua ein Wappen hat. An das Hauptbild der Vierzahl, an den NamenGottes, welcher in vielen Sprachen mit vier Zeichen geschrieben wird, an das Sanctum tetragrammaton, hater sich nicht gewagt.

Dagegen überschüttet er uns mit dem Quaternionatus des Heiligen Römischen Reichs, dessen Ur-sprung den Kaisern Otto III und Carl IV zugeschrieben wird, welchen wir aber mit dem berühmten Rechts-gelehrten Vitriarius und seinem practischen Comentator, Pfeffinger, fürEitel-Phantasterei" zu erklären ge-neigt sind.

Grünenberg setzt an die Spitze der Reichsstände:des Richs fier Kirchen", sodann folgen: die4 Erzbischofe, die 4 Bischöfe, die 4 Äbte, die 4 Herzoge, die 4 Säulen, die 4 Panner, die 4 Markgrafen, die4 Landgrafen, die 4 Burggrafen, die 4 Palzgrafen, die 4 Vögte, die 4 Amtherren, die 4 Jägermeister, die4 Grafen, die 4 Barone, die 4 Ritter, die 4 Städte, die 4 Burgen, die 4 Dörfer, die 4 Weiler, die 4 Bauern,die 4 Knechte.

Die Wappenhandschrift der Gräflich Stolberg'schen Bibliothek zu Wernigerode bringt am Eingange(Wem. C. I. 7.) das Wappen

der heiligen Dreifaltigkeit"

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