Druckschrift 
[Text] (1875)
Entstehung
Seite
V
Einzelbild herunterladen
 

rünenberg, so lautet ein Name, welcher am Ufer des Bodensees wohlbekannt undvon Alters her wohl beleumdet ist. «Schon im 12. Jahrhundert», schreibt Walchner(Badenia, Jahrgang II, pag. 248), «war das Edle Geschlecht der Herren von Grünen-berg in der Höri sowohl als in den angrenzenden Gemeinden reich begütert; esgehörte zu den Ministerialen der Kirche von Konstanz, und zwar titulo proprie-tatis derselben.»

Höri oder Bischofshoere, so hiess die grosse Erdzunge zwischen dem(nördlichen) Zeller- und (südlichen) Bernanger- oder Berlingersee, welche beidezusammen den Untersee bilden, ein seit 18 x i zum Amte Radolfszell gehöriges Gebiet der Bischöfe von Konstanz(vergl. Neugart, Cod. Alem. I, 289. Ao. 854. «Bischofeshori»; II, 86. Ao. 1155. «Biskoffeshori»).

«Im Jahre 1192 verkauften Hugo von Grünenberg, Hochstiftischer Ministerial, und sein Bruder, derDomherr Conrad, ihre Höfe zu Bankholzen und Bohlingen an das Stift Konstanz. Der Bohlinger Hof gehörteihrem Bruder Arnold und war der Ehefrau desselben als Witthum verschrieben. Hugo erhielt dafür eine Pfründeund den lebenslänglichen lehnbaren Besitz der verkauften Güter; Conrad musste sich noch besonders verbindlichmachen, ihm jährlich eine Fuder Wein abzugeben; auf den Fall hin, dass er vor seinem Bruder abstürbe, sollteaber das Kapitel verbunden sein, demselben lebenslänglich zwei Fuder abzugeben.»

Ein muthmasslicher Nachkomme Hugo's, Namens Berthold, der Ritter aus der Höri (Bertholdus Milesdictus: der Ritter uz der Höri), verkaufte im Jahre 1282 an die Eremiten Werner und Conrad seinen Hof «zudem Grünenberg» (vergl. Badenia, Jahrgang II, pag. 250). Im Jahre 1355 wurde aus der Eremitenklause einNonnenkloster vom dritten Orden des heil. Franziskus. Dasselbe scheint nicht auf dem Grünenberg selbst,sondern am Fusse desselben, des Schlossbergs gelegen zu haben. Es erhielt einen besonders hervorragenden Rufzur Zeit der Aebtissin Elisabeth, die fromme Else genannt, welche zu Ende des 15. Jahrhunderts verstarb. Durchden Reichsfriedens-Deputationsschluss fiel es dem Deutschorden, durch den Pressburger Frieden aber dem Gross-herzog von Baden zu. Das Klostergebäude ward zum Abbruche veräussert, und die Güter verkaufte man undjetzt ist der Name fast verschollen (vergl. Schönhut, Neuer Führer um den Bodensee, Lindau 1851, 162 u. folg.).

Die Herren von Grünenberg scheinen schon frühzeitig auch zu den alten Geschlechtern, Patriziern, inKonstanz gehört zu haben, wenigstens stiftete ein Edler von Grünenberg ums Jahr 1250 mit Hülfe anderer Gut-thäter das Kloster der Barfiisser oder Franziskaner daselbst. In der Nähe dieses Klosters, südwärts angrenzend,befand sich ein altes, in den 40er Jahren dieses Jahrhunderts umgebautes grosses Haus, welches noch heute«zum Grünenberg» heisst. Wir haben in dem Initialbuchstaben unsers Textes ein treues, im Jahre 1838 auf-genommenes Bild dieses Hauses mitgetheilt. Nach einer dort angebrachten Inschrift und nach dem Styl der mitzierlicher Steinhauerarbeit geschmückten Fenster zu urtheilen, war der Bau, oder Umbau, im Jahre 1418 vollendet.Das Innere enthielt reichen Schmuck an feinen Holzschnitzwerken, zumal in dem grössten saalartigen Hauptge-mach. Obgleich viele Wappenschilde in Stein gehauen und in Holz geschnitzt vorhanden waren, so haben wirdoch nirgend das Grünenberg'sche Wappen entdecken können. Dagegen fanden wir über einem Fenster an derAussenseite des Gebäudes, und zwar in den Formen des 14. Jahrhunderts, die Schilde der Herren Maslin vonGranegg und von Neideck. Wahrscheinlich gehörte zu Konstanz auch das Haus Nr. 699 in der Kanzleistrassedem Grünenberg'schen Geschlecht; dort ist noch gegenwärtig an einem Thürbogen das Grünenberg'sche Wappenerhalten.