Lief. 3.
IIIc.
IS
X \.aiser Friedrich der Vierte, auf seinem Grabmal im Stephansdom zu Wien „Imperator Caesardivus Fridericus Tertius" genannt, war am 21. September 1415 geboren, am 30. Juni 1442 in Aachen zumdeutschen König und am 19. Maerz 1452 in Rom (durch Papst Nicolaus V) zum Römischen Kaiser gekrönt.Er starb in Linz am 19. August 1493.
In unserm Vorwort ist bereits von dem gegenwärtigen Bilde die Rede gewesen. Leider trägtdasselbe trotz der besondern Aufmerksamkeit, welche der Meister darauf verwendet haben wird, viele Spurenvon Abänderungen und Nachträgen einer ungeübten Zeichenfeder an sich, Verbesserungen, welche in unsernGrünenbergschen Probeblättern nach sorgsamer Vergleichung mit dem Münchener Prachtcodex weggelassenworden sind. Hier handelte es sich um getreue Wiedergabe von des Meisters Handexemplar, also auch derMängel desselben. Öfters fehlt es hier an der Ausmalung. So z. B. bei den mit Hermelin gefüttertenSammetmützen und den Gewändern der Kurfürsten. Es ist dies umso auffälliger, als die herkömmlicheStellung letzterer Fürsten, nämlich der drei geistlichen Herren rechts, der vier weltlichen links vom Thronezu bezeichnen war. Der König von Böhmen als Erzschenk des Reichs ist nicht in der vom Kaiser rechtsstehenden bärtigen und gekrönten Figur zu suchen; denn die geistlichen Kurfürsten gingen ihm im Rangevor. Am wenigsten wird damit der jugendliche König Wladislaus (Jagiello) gemeint sein sollen, eher derdeutsche König Maximilian, aber derselbe wurde erst i486 gekrönt, und in der zweiten Stelle rechts vomKaiser erblicken wir eine stattliche Fürstengestalt, welche den auf Blatt XLV abgebildeten ErzherzoglichenHut auf dem Haupte trägt.
Der Erzkämmerer mit dem Zepter steht nach der Münchener Handschrift weit richtiger, nämlichlinks vom Kaiser, als der jüngste unter den Kurfürsten.
Damals (1483) wurden die Erzämter von folgenden Fürsten bekleidet:
1) Erzkanzler durch Germanien, Kur-Mainz,
Albert, Herzog von Sachsen, f 1484.
2) Erzkanzler des Königreichs Arelat, Kur-Trier,
Johann, Markgraf von Baden, f 1503.
3) Erzkanzler durch Italien, Kur-Cöln,
Hermann, Landgraf von Hessen, f 1508.
4) Erzschenk, Kur-Böhmen, seit 1400 nicht berufen,
König Wladislaus, -j- 1516.
5) Erztruchsess, Kur-Pfalz,
Philipp, Pfalzgraf bei Rhein, Herzog in Bayern, f 1508.
6) Erzmarschall, Kur-Sachsen,
Ernst, Herzog von Sachsen, f i486.
7) Erzkämmerer, Kur-Brandenburg,
Albrecht, Markgraf von Brandenburg, f i486.
Das Schwert der Gerechtigkeit, welches über dem Haupte des Kaisers schwebt, erinnert an dasbedeutungsvolle Wort:
„IVSTE-IVDICATE-FILII-HOMINVM-"welches wir schon auf dem Rücksiegel Kaiser Heinrichs VII, wie auch auf den Secretsiegeln Kaiser Ludwigsdes Bayern, König Günthers von Schwarzburg und Kaiser Carls IV lesen.
Eine symbolische Darstellung, die „Schwertceremonie", wie Riedel sagte (zehn Jahre aus der Ge-schichte der Ahnherren des Preussischen Königshauses, S. 288.), welche sich öfters, auch im ConstanzerConcilienbuche abgebildet findet, und zwar in der gedruckten Ausgabe ebenso, wie in der Constanzer Original-handschrift Ulrichs Reichental; besonders aber auch in einem andern, sehr fleissig ausgemalten Exemplardesselben Manuscripts auf der kaiserlichen Bibliothek zu Prag.