Druckschrift 
[Text] (1875)
Entstehung
Seite
VIII
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Benediktiner zu St. Peter gehörig und im Jahre 1764 vom dasigen Abt angekauft, befindet sich auf der Gross-herzoglich Badenschen Hof- und Staats-Bibliothek zu Carlsruhe. Diese Schrift ist zwar neuerdings gedruckt worden,doch ohne Mittheilung der Bilder, in welchen sich die geistvolle Darstellung des Meisters aufs Neue bethätigt.Auf der Rückseite des oberen Deckels der Handschrift steht hebräisch:

Am Sonntag Sant Jergen Abent 1487 GrünenbergRitter.

Behüt di edle Ris Conraden.

und auf dem unteren Deckel:

Anno Domini 1487. Fritag Sant Michels Abent. Füg C (?) Gott Alens zum Besten.

Am Eingange werden die Glückseligkeiten gepriesen, die dem Pilgram durch eine Wallfahrt zumHeiligen Grabe zuwege gebracht werden können. Dann beginnt das Tagebuch mit den Worten:

«Im jare nach der geburt unseres lieben herren Christi tusent vierhundert achtzig und sechs jaream 22. tag Aprilis, der da ist der ander tag vor Sanct Jergen tag, Bin ich Conrat Grünenberg Ritter, zuCostentz uszgeritten nehmlich vf einen Frytag mit dryen pferden vnd mit mir Caspar Gaiszberg vf hofnungzu ervolgen solch wallfart obberürt.»

Das erste Bild, Federzeichnung, leicht mit Farben ausgestrichen, stellt die St. Marcus-Kirche zu Venedigvor. Ueber demselben ist sinnreicher Weise der unüberwindliche Adler mit dem Engelskopfe und der ge-flügelte Marcus-Löwe mit dem Buche dargestellt.

Auf dem zweiten Bilde sieht man die Pilger zu Schiffe gehen; Flaggen und Wimpel tragen die Farbevon Venedig, auch die weisse Fahne mit dem Jerusalemer Kreuze weht im Winde.

Ein anderes Bild zeigt die Trümmer des Schlosses Costus, daneben ist bemerkt:

«In demselb schloss sass Santa Katterina Vater, hies kunig Kostus, demnach och daz genanntschloss vnd ein stark zerrissen stat, glich vmb daz schloss gehaisen ist. Er was ach künig über merzu Alexandria. Santa Katterina ist da getoffl worden vnd hat alda Kristen Geloben gelernt, Ir vater vndmuter sind da gestorben vnd welche bilgram vnd Iandfarrer dahin komen machent etwenn zu zaichen ainhalb rad».

Neben dem Bilde von Famagusta erblicken wir ein Schwert mit goldenem, roth bewickeltem Griff.Um die Scheide des Schwertes schlingt sich ein gelbes Gürtelband, worauf der Spruch:

por loaltes manttenir(pour loyaute maintenir).

Rechts und links über der Hauptpforte von «Famagost», neben dem flüchtig angedeuteten Stadtwappen,wiederholt sich dasselbe Zeichen des Schwerts.

Am fleissigsten sind die Abbildungen, welche Jerusalem und das heilige Grab darstellen, ausgeführt,besonders die, wo die Ueberschrift lautet:

«Sepulchrum Domini Jesu Christi.»

Das Manuscript schliesst folgendermassen:

Sumenus gesin XXXIII wochngelobt sig Got etc. 1487 Jar.

Dass Conrad Grünenberg ein besonderer Anhänger des Stegreifs gewesen, ersehen wir aus verschiedenenStellen des Wappenbuchs, und in der Vorrede gesteht er es selbst ein. Dass er als reicher Konstanzer Patriziergereist sei, geht schon daraus hervor, wie er bei seiner Fahrt nach Venedig von Konstanz ausgezogen ist, worüberer uns in der Beschreibung seiner vorgedachten Reise nach dem heiligen Lande ebenfalls selber erzählt hat.

Ritterbrauch und Turnierweise scheint Conrad Grünenberg besonders in Frankreich fleissig erlernt zuhaben, er spricht wenigstens (pag. 219) von Paris und der Königlichen Krönung daselbst, wobei elf Tage turnirtworden. Wenn diese Krönung die Krönung Carls VIII. gewesen wäre, so könnte Grünenberg nicht Paris nennen;denn Carl der VIII. wurde im Jahre 1484 zu Reims gekrönt. Wahrscheinlich meint Grünenberg die KrönungLudwigs XI., welche im Jahre 1465 stattfand. Dass übrigens zu einer Zeit, wo selbst Patrizier, die nicht Ritterwaren, so häufig mit Fürsten eine Lanze brachen*) unser Grünenberg, der sich doch im Ritterstande befand, anRitterspielen thätig Antheil genommen und sogar in reiferen Jahren oft als Kampfrichter aufgetreten sein werde,ist eine sehr naheliegende Vermuthung.

Stillfried.

*) Dies ersehen wir unter andern auch aus Marx Walthers Turnierbuch vom Jahre 1477 1489, mst. der Münchener Bibliothek Nr. 1939.

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