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Grünenberg'schen Wappencodex an die Oeffentlichkeit treten. Damals schrieb uns der auf dem Gebiete derHeroldskunst rühmlichst bekannte Dr. Leopold Freiherr von Ledebur unter dem 17. März 1841 :
«Der Brandenburger Geschichts-Verein beauftragt mich, für das schöne Geschenk von Grünenberg'sWappenbuch Ihnen Dank zu sagen. Mir hat das Eingehen in diese, ich kann wohl sagen das Schlürfen aus dieserschätzbaren heraldischen Quelle einen sehr grossen Genuss verschafft. Ich konnte nicht widerstehen, einige derGedanken, die bei Betrachtung der wiedererstandenen alten Pracht und Herrlichkeit sich mir aufdrängten, beiUeberreichung des Heftes gegen die Gesellschaft auszusprechen — und zwar so, wie Sie dieselben vielleicht inder von Köhne jun. projectirten, zu Ostern erscheinenden heraldisch-numismatischen Zeitschrift lesen werden»
Seit jener Zeit und ganz besonders in den letztvergangenen zehn Jahren hat, wie dies auch in demProspecte zu diesem Werke vom Herbst 1874 ausgesprochen worden ist, der Geschmack an mittelalterlicher Kunstnach allen Richtungen hin immer mehr Boden gewonnen und vornehmlich die Wappenkunde, durch zahlreicheVereine gepflegt, sowohl als Wissenschaft wie als Kunst einen höheren Standpunkt als je eingenommen. Hiernachsteht wohl zu erwarten, dass das deutsche Vaterland es gewissermassen als eine wirkliche Pflicht erkennen werde,dem erneuten Unternehmen forderlich zu sein.
Das Original von Grünenberg's Wappencodex befand sich bis vor wenigen Jahren im Besitze des Dr. Stanzzu Bern, der ehemals in Konstanz wohnhaft war, und die Handschrift, die er daselbst von einem Antiquar käuflicherworben hatte, zu verkaufen nicht beabsichtigte. Als er sich endlich dazu entschloss, hatte er deutsche Gesinnunggenug, den verlockenden Anerbietungen englischer Raritätensammler zu widerstehen und das Manuscript für dieSumme von 300 Frd'or. dem Königlich Preussischen Herolds-Amte zu überlassen. Der Stanzische Codex istvortrefflich erhalten, auf Papier in Mittelfolio-Format, 190 Blätter. Es fehlt darin weder der Name des Verfassers,noch die Jahreszahl der Vollendung des Werkes. Die Wasserzeichen in dem Papier dieses, des Originalcodex, sinddreierlei: 1) eine kriechende und gezungte Schlange, 2) eine aufgerichtete, mit Armring versehene Linkhand und3) ein leuchterähnliches Gefäss, aus welchem ein Kreuz hervorwächst. — Der zweite uns bekannte Codex vonGrünenberg's Wappenbuch, auf Pergament in gr. Fol. 187 Blätter, weniger vollständig, ohne Jahreszahl und Namendes Verfassers, insgemein jedoch «Grünenberg's Wappenbuch» genannt, stammt aus der alten Landshuter Bibliothek,wesshalb auch auf dem ersten Blatte in späterer Zeit das Herzoglich Bayerische Wappen angebracht ist. DieAufschriften zeigen schon ein ächt süddeutsches (altbayerisches) Gepräge, während die des Stanzischen Codex denAlemanischen Typus an sich tragen. Im neuen Katalog der deutschen Handschriften auf der K. Bibliothek zuMünchen führt dieser Codex die Nummer 145. — Es giebt ebendaselbst auch noch eine andere Papierhandschriftvon Grünenberg's Wappenbuch, welche aber weit jünger ist und neben dem Pergamentcodex kaum der Erwähnungverdient. — Wir besitzen selbst eine alte, allerdings nur sehr mittelmässige Copie des Grünenberg, 362 Blattumfassend, worin etwa 30 Blatt fehlen. In der Münchener Pergamenthandschrift steht pag. 7: «1433 wardKaiser Friedrich von Oesterreich zu Rom gekrönt.» Im Stanzischen Codex steht 1449. Es geschah erst 1452.Grünenberg hat das bezeichnete Blatt im Jahre 1482 ausgeführt, wie die Jahreszahl zu Füssen des Bildes imStanzischen Codex angiebt. Im Münchener Codex fehlt diese Angabe, so wie nicht minder die Figur mit demSchwerte über dem Haupte des Kaisers. Der Stanzische Codex enthält verschiedene Zeichnungen mehr als derMünchener; dennoch könnte es möglich sein, dass beide zu gleicher Zeit, wo nicht durch Grünenberg selbst, dochunter seiner Leitung vollendet worden sind. Nach einer brieflichen Mittheilung des Freiherrn Joseph von Lasz-berg zu Mörsburg am Bodensee an den Professor Dr J. A. Schmeller zu München vom 3. December 1830 stammtder Münchener Pergamentcodex ebenfalls aus Konstanz, und Nicolaus Schultheiss schenkte ihn nach Kloster Wein-garten, wahrscheinlich an seinen Mitbürger, den damaligen Abt Gerwig Blarer. Vielleicht war der StanzischeCodex Grünenberg's Handexemplar, in welches er, so lange er lebte, Zusätze und Verbesserungen eintrug, derMünchener dagegen ein Prachtexemplar, welches gleich nach der Vollendung irgend einem Freunde, Gönner oderMäcen gewidmet wurde.
Wann Grünenberg sein Wappenbuch vollendet hat, das steht im Stanzischen Codex am Schlüsse derVorrede. Wir haben diese Jahreszahl nach moderner Sitte auf dem Titel anbringen lassen. — Merkwürdiger-weise fällt die Vollendung des Drucks, den Anthoni Sprg zu Augsburg vom «Concilium-Buch geschehen zuCostencz» besorgte, in dasselbe Jahr «do man zeit nach Christi gepurt MCCCC und in dem LXXXIII. Jare.»
Es ist nicht unwahrscheinlich, dass Grünenberg mit dem Verfasser des Conciliumsbuches oft aus einer Quelleschöpfte; vergleicht man jedoch die Originalhandschrift des Conciliumbuches auf der Raths-Bibliothek zu Konstanzmit dem Stanzischen Originalcodex von Grünenberg's Wappenbuch, so ergiebt sich, dass die Zeichnungen desLetzteren weit geistreicher und sorgfältiger gemacht sind als die des Ersteren.
Schon bei vorgerücktem Alter unternahm Grünenberg eine Reise nach Palästina, welche er selbstbeschrieb und mit einer Reihe bunter Abbildungen illustrirte. Die Handschrift, kl. Fol auf Papier, dessenWasserzeichen ein verkehrtes p. oder ein q. mit daraus hervorgehendem Kreuze, sonst in die Bibliothek der
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