III. Die Entwickelung des höheren landwirthsch. Unterrichtswesens u.s.w. 83
III. Die Entwickelung des höheren landwirth-schaftlichen Unterrichtswesens in Deutschland unddie Stellung der Akademie Poppelsdorf innerhalb
desselben.
Um die Bedeutung, welche die Akademie Poppelsdorf für das höherelandwirtschaftliche Unterrichtswesen gehabt hat, und die Stellung,welche sie innerhalb desselben zur Zeit einnimmt, richtig zu würdigen,scheint es erforderlich, einen Rückblick auf die Entwickelung zuwerfen, welche das höhere landwirtschaftliche Unterrichts-wesen in Deutschland von seinen ersten Anfängen bis zurGegenwart durchgemacht hat. Es ist dies um so nöthiger, alshierüber selbst in betheiligten Kreisen häufig keine genaue Ivenntnissvorhanden ist, vielfach auch irrtümliche Ansichten herrschen. Fernerfallt ins Gewicht, dass die Organisation des landwirtschaftlichenUnterrichts in Deutschland für andere europäische wie für ausser-europäische Staaten vorbildlich gewesen ist.
Auch auf dem in Rede stehenden Gebiete ging Preussen denübrigen deutschen Ländern voran. Im Jahre 1827 errichtete FriedrichWilhelm I Lehrstühle der Cameralwissenschaften an denUniversitäten Halle und Frankfurt a. 0. und berief dorthin SimonPeter Gasser, hierhin Justus Christoph Dithmar. Unter Cameralwissen-scliaft verstand man im 18. und bis in das 19. Jahrhundert hineineinmal die gesammte Privatwirthschaftslehre, wie Haushaltungslehre,Landwirthschaftslehre, Forstwissenschaft, Bergbauwissenschaft u. s. w.,dann aber auch diejenigen Gebiete, die man später als Polizeiwissen-schaft, Finanzwissenschaft, politische Oekonomie bezeichnete oder gegen-wärtig noch bezeichnet. Georg Heinrich Zincke (geb. 23. September1692, gest. 15. August 1769), einer der hervorragendsten Vertreter seinesFaches, tlieilt die Cameralwissenschaft ein in die Lehre von der Naturund Beschaffenheit aller Nahrungsgeschäfte, die wirthschaftliche Polizei-
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